„My set is my castle“

Dem Jahrhundertschauspieler Heinrich George wurde nachgesagt, wenn er sich umdrehe, spiele er mit dem Rücken weiter. Nichts für ungut – so sollte es eigentlich immer und bei jedem sein, der sein Geld damit verdient.
Eine raumgreifende Präsenz bezieht naturgemäß auch die Dekoration ins Spiel mit ein. Etwas griffiger Formuliert bedeutet das: ich muss dem Darsteller glauben, das er den Raum tatsächlich bewohnt bzw. als Arbeitsplatz nutzt. Und sind die Sachen, die er trägt, wirklich seine, oder hat er sich nur mal kurz verkleidet?

Eine solche Beherrschung des Schauplatzes ist schwierig, wenn dieser gar nicht existiert, sondern erst am PC hinzugemischt wird. Doch auch unter günstigeren Bedingungen fallen die Ergebnisse unterschiedlich aus.
Der britische TV-Sechsteiler „State Of Play“ / „Mord auf Seite 1“ (2003) spielt großenteils in einer Zeitungsredaktion, deren Journalisten in tiefen Papierkratern ihre Arbeit verrichten. So sehen wir es gern: diese Leute sind nicht nur unerschrockene Rechercheure, sie haben auch ihren zugemüllten Arbeitsplatz im Griff. Ihr Großraumbüro wirkt, als könnte hier tatsächlich die Watergate-Affäre aufgedeckt worden sein.
Das US-Kino-Remake „Stand der Dinge“ (2009) legt es auf den gleichen für die Glaubwürdigkeit der Geschichte wichtigen Effekt an, doch hier gelingt das nicht halb so gut. Der mit den besten Absichten zusammengebastelte Arbeitsplatz des rasenden Reporters Russell Crowe überzeugt nicht recht.
Immerhin sieht es dort besser aus als im Kinderfunk-artigen Büro des Reporters Fandor alias Jean Marais in den „Fantomas“-Filmen.

Ein besonders brillanter Schauspieler entzog sich dieser Disziplin übrigens weitgehend. Peter Falk alias „Columbo“ sehen wir nur in einer einzigen Szene der gesamten Serie an seinem Schreibtisch.

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