Die schönsten Hörspiele, die ich kenne (12): „Mensch auf Raten“

„Mensch auf Raten“ – nach der Erzählung „Et mon tout un homme“ von Pierre Boileau und Thomas Narcejac, Produktion: WDR 2006 – 53’58, Credits unter https://www.deutschlandfunkkultur.de/mitternachtskrimi-mensch-auf-raten.3692.de.html?dram:article_id=44782

Beruhigen? Mit einem 404 beruhigt man keinen Alpha!

Der Chirurg Professor Marek ist im Begriff, einen sensationellen medizinischen Coup zu verwirklichen, der ihm bereits mehrmals mit Hunden gelungen ist: die Transplantation sämtlicher Körperpartien eines Menschen inklusive des Kopfes. Der Polizeibeamte Garric wird von seinem Chef Andreotti damit betraut, ihm das nötige Material zu liefern: zum Glück hat der zum Tode verurteilte Schwerverbrecher René Myrtil seine Überreste der Wissenschaft zur Verfügung gestellt. Nachdem die Guillotine ihr Werk verrichtet hat, bringt Garric den Verstorbenen eilig in Mareks Privatklinik. Dort warten dort bereits sieben schwer verletzte Unfallopfer auf ihre Operation. Die Eingriffe gelingen, doch nicht alle sind so zufrieden, wie man es erwarten sollte. So sieht der brave Bankangestellte Nérisse fortan den Kopf des Bankräubers Myrtil nicht mehr auf Steckbriefen sondern im Spiegel. Eine Patientin muss sich an ein kräftigeres Männerbein gewöhnen. Auch ein Geistlicher und ein Künstler beschweren sich. Als sich unter den Empfängern der Gliedmaßen eine Neigung zum Selbstmord herauskristallisiert, werden Professor Marek und seine Helfer nachdenklich …

Ende der 50er Jahre hatte das Autorenduo Boileau (1906-1989) und Narcejac (1908-1998) eine fabelhafte Zeit. Ihre unkonventionellen Thriller wurden von Meistern wie Hitchcock und Clouzot zum allgemeinen Beifall auf die Leinwand gebracht. 1965 entstand mit „Et mon tout un homme“ ein Buch, dessen Verfilmung unter dem Titel „Body Parts“ (1991) erwartungsgemäß das unappetitliche Element in den Vordergrund stellte und zu einem Horrorfilm geriet. In der Hörspielbearbeitung tendiert der Stoff eher zur Science-Fiction, und seine philosophischen Aromen und Subtexte sowie die die vielen kleinen Charakterstudien können sich hervorragend entfalten. Der aktuelle Bezug – ja, auch den gibt es – ist dabei ebenso vernachlässigbar wie die konventionelle Krimispannung, die von einigen Hörern vermisst wurde … Im Radio landete das Werk nämlich in der Krimischublade.

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