Roy aus der Kiste

betr.: 10. Todestag von Roy E. Disney

Die legendären Firmengründer Roy Oliver und Walter Elias Disney waren grundverschieden, und entsprechend war die Arbeit unter ihnen aufgeteilt. Roy war für den finanziellen Teil zuständig und Walt für den künstlerischen. Über den Zündstoff, der in diesem Gegensatz angelegt war, ist wenig an die Öffentlichkeit gelangt. Als seriös gilt immerhin diese Anekdote im Zusammenhang mit dem Dokumentarfilm „Seal Island“, an den keiner außer Walt geglaubt hatte. Als er den Oscar dafür bekommen hatte, ging er in das Büro seines Bruders, schmähte ihn und schmetterte die Statuette über dessen Kopf an die Wand.
Doch fraglos wäre das kleine Trickfilmstudio mit seinen langwierigen Produktionsabläufen frühzeitig untergegangen, wenn sich nicht auch Roy hin und wieder durchgesetzt hätte. Außerdem hatte Roy Disney einen Sohn gleichen Namens. Als der mit Windpocken darniederlag, soll „Uncle Walt“ ihn besucht und ihm von einem bevorstehenden Projekt erzählt haben: ein Film über einen hölzernen Bengel, der zum Leben erwacht.
Roy Jr brauchte lange, bis er diese Metapher umsetzte. Er wusste, dass er nur wegen seiner Herkunft im Aufsichtsrat saß, spielte sich nicht weiter auf und drehte Naturfilme. Einer davon, „Mysteries Of The Deep“, erhielt immerhin eine Oscarnominierung.

Mit Mitte 40 tat er sich mit einem erfahrenen Anwalt zum Kauf der Investmentfirma Shamrock Holdings zusammen. Der Kauf und Verkauf von Medienunternehmen und Sojafabrikanten ließ sein Vermögen anwachsen.
Doch es schmerzte ihn zu sehen, was nach dem Tod der Gründerväter aus der Walt Disney Company geworden war. Mitte der 80er Jahre war sie künstlerisch bedenklich ins Trudeln geraten. Typisch für diese Phase ist der Film „Taran und der Zauberkessel“ – zeichnerisch ambitioniert, aber seiner Zielgruppe unsicher und zu gruselig für die Magie, die mit Disney inzwischen wieder verbunden wird. Studiochef Jeff Katzenberg ließ in letzter Sekunde 13 Minuten herausschneiden, dennoch floppte das Werk und wanderte für Jahre in den Giftschrank.

1984 kehrte Roy E. Disney als Vizedirektor des Aufsichtsrats und Leiter der Animationsabteilung zurück. Er feuerte Walts Schwiegersohn Ron Miller und warb Michael Eisner von Paramount ab. Unter ihm startete das Studio mit „Arielle, die Meerjungfrau“, „Die Schöne und das Biest“ und „Der König der Löwen“ in eine neue Erfolgsgeschichte.

Doch 2003 beurteilte Roy E. Disney die Situation abermals kritisch. Als er am 30. November als letztes Familienmitglied als Altergründen aus der Firma ausschied, kritisierte er Eisner scharf. Der Brief wurde öffentlich. Darin hieß es: „Die weit verbreitete Auffassung, dass unsere Firma habgierig, seelenlos und nur auf den schnellen Dollar statt auf langfristige Werte aus sei, führt zu einem Verlust öffentlichen Vertrauens.“ Bei der nächsten Aktionärsversammlung hatte Eisner 45% der Stimmen gegen sich.
Bereits 1986 hatte Roy E. Disney zehn Millionen in ein junges Unternehmen namens Pixar investiert, aus dem er nun seinen nächsten Goldjungen ins Familienunternehmen holte: John Lasseter.
Sein Vater und sein Onkel dürften Roy in der besseren Welt einen herzlichen Empfang bereitet haben.

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Eine Antwort auf Roy aus der Kiste

  1. Pingback: Augen zu, Ohren auf: "Taran und der Zauberkessel" - Monty Arnold blogt.Monty Arnold blogt.

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