Im selbstgeworfenen Schatten

betr.: 113. Geburtstag von Carol Reed

Mit „Der dritte Mann“ hat Carol Reed kurz nach dem Krieg einen Film gedreht, der sowohl von den Cineasten als auch von mir persönlich zu den Sternstunden des Kinos gerechnet wird. Damit blockierte der Regisseur die Beliebtheit von einem Vorgänger: „Odd Man Out“ / „Ausgestoßen“. Die Kenner des Reed’schen Oevres halten diesen für die noch bessere Arbeit, unter ihnen Roman Polanski, der „Odd Man Out“ als jenen magischen Kinobesuch nennt, der in ihm den Wunsch entzündete, selbst Regisseur zu werden: „Kein Film hat mich glücklicher gemacht.“

„Ausgestoßen“ ist ein britischer Noir. Dieses Genre entstand im Kielwasser des und parallel zum klassischen Film Noir aus den USA (den die Puristen zwischen 1940 und 1959 ansiedeln), teilt sich mit diesem die Düsterkeit und Dramatik, die Schwarzweißfotografie und das Durchschimmern der noch frischen Erfahrung, einen Weltkrieg überlebt zu haben – als aktiver Teilnehmer oder an der Heimatfront.  
Während diese Kriminaldramen in den USA aus dem Zeitgeist heraus im Bereich des B-Pictures entstanden (die gekonnt spärliche Lichtsetzung hatte auch finanzielle Gründe), waren es in Großbritannien gut budgetierte Produktionen, die diese Atmosphäre mit voller Absicht herstellten. Hier kann man wirklich von einer „Schwarzen Serie“ sprechen – dieser Ausdruck wurde in der Bundesrepublik auch auf die amerikanischen Produktionen angewandt, wo er ja nicht ganz zutreffend ist.
Als ergiebigstes Noir-Jahr der Londoner Filmproduktion gilt 1947, und „Ausgestoßen“ wiederum als dessen Höhepunkt. Liebhaber des „Dritten Mannes“ hätten zu Carol Reeds Ehrentag also eine hübsche Alternative, des Meisters zu gedenken.
Wer es etwas bunter und schwungvoller mag – ohne die Not der „kleinen Leute“ völlig aus dem Blick zu verlieren -, der sei an die Verfilmung des Musicals „Oliver“ von 1967 erinnert. Dieses Stoffes hat sich Roman Polanski viel später auch noch angenommen – ohne die Songs.

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