Die Marvels wie sie wirklich waren: Jani Büsing – Übersetzerin (2)

Diese Serie mit Artikeln zur Geschichte der Marvel Comics aus dem Silver Age ist eine Übernahme aus dem Fanmagazin „Das sagte Nuff“ (2005-10). Ich bedanke mich herzlich für die Genehmigung, sie hier leicht aktualisiert wiederzugeben. 

Interview mit Jani Büsing (2) (Fortsetzung vom 25.12.2019)
von  Daniel Wamsler
http://dassagtenuff.blogspot.com/

Daniel Wamsler: Im Gegensatz zu den anderen Williams-Serien erschien ausgerechnet „Dracula“ ungekürzt. Gab es keine Bedenken wegen der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften ( „Dracula“ Nr. 5, „Frankenstein“ Nr. 5 und die „Kung Fu“-Taschenbücher Nr. 5 und 6 landeten ja auf dem Index)? Auch gab es zu Beginn der Williams-Zeit ein Film-Magazin namens „Monster des Monats“, ebenfalls ein absolutes Novum zu dieser Zeit. Können sie dazu etwas sagen?

Jani Büsing: Das „Monster des Monats“ wurde, soweit ich mich erinnern kann, wegen seiner blutrünstigen Anmutung verboten.

Durch den Phasenvertrieb konnte man auf Leserwünsche nur bedingt oder verspätet reagieren. So kam auch das Aus der einzelnen Serien für die Leser überraschend. Wie erging es den Mitarbeitern, und gab es Anzeichen für das abrupte Ende?

Kann ich nicht sagen, da ich bereits 1977 aus dem Verlag ausgeschieden bin und danach in einem Großverlag meine Journalisten-Laufbahn begonnen habe.

Wie beeinflusste die Einstellung mehrerer Serien, die ja auch Entlassungen zur Folge hatte, Sie und Ihre Arbeit?

Die erste große Entlassungswelle 1975 war für mich persönlich, wie ich bereits schilderte, positiv.

Letztlich scheiterte das Williams-Superheldenprogramm. Nur “Die Rächer“,  „Die Fantastischen Vier“ und schließlich „Die Spinne“ erschienen noch eine zeitlang. Wie waren die näheren Umstände, die zur Einstellung der anderen Titel führten?

Die Lizenzverträge waren ausgelaufen und wurden offensichtlich nicht verlängert.

War die Konkurrenz durch den Ehapa Verlag entscheidend für den Niedergang, sofern man überhaupt von „Konkurrenz“ sprechen kann?

Ich glaube nicht, dass Ehapa etwas damit zu tun hatte. Die Titel waren ja auch so unterschiedlich, dass Ehapa in dem Sinne keine Konkurrenz darstellte.

Lesen Sie selbst Comics und haben Sie den neuerlichen Superhelden-Boom der letzten Jahre mitbekommen?

Heute lese ich kaum noch Comics. Den Superhelden-Boom habe ich natürlich am Rande mitbekommen und mich darüber gefreut.

Welche Williams-Serien gefielen Ihnen am besten und weshalb?

Wie schon erwähnt war mein Lieblingstitel „Horror“. Die leicht unheimliche Stimmung, in der Dinge zwischen Himmel und Erde geschehen, die sich nicht immer nüchtern und sachlich erklären lassen – das hat mir schon immer gefallen. An zweiter Stelle kam für mich dann schon „Die Spinne“, die mir auch heute noch gut gefällt.

Was machten Sie nach Ihrem Ausstieg bei Williams, und wovon leben Sie heute?

Nach meiner Zeit bei Williams wurde ich im Heinrich Bauer Verlag zur Journalistin ausgebildet und stieg dort bis zur Stellvertretenden Chefredakteurin auf. Dann machte ich mich selbstständig, ging für fünf Jahre nach Italien und schrieb von dort aus Bekenntnisgeschichten und Kurzromane. Anschließend ging ich nach Baden-Baden und wurde Medizin-Journalistin. Heute lebe ich wieder in Hamburg und arbeite als selbstständige Medizin-Journalistin und PR-Agentin.

Vielen Dank und weiterhin viel Erfolg!

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