Die Marvels wie sie wirklich waren: Steve Ditko (2)

Diese Serie mit Artikeln zur Geschichte der Marvel Comics aus dem Silver Age ist eine Übernahme aus dem Fanmagazin „Das sagte Nuff“ (2005-10). Ich bedanke mich herzlich für die Genehmigung, sie hier leicht aktualisiert wiederzugeben. 

Steve Ditko – Der Mann im Hintergrund (Fortsetzung vom 15.1.2020)
von  Daniel Wamsler
http://dassagtenuff.blogspot.com/

Eröffnungsseite aus ASM # 26. Steve Ditko hatte durchgesetzt, dass er als Plotter in den Credits aufgeführt wurde. Dies ließ ihn seine Kreativität noch weiter ausleben. Denn wer käme schon auf die Idee, einen Superhelden auf ein Fragezeichen zu setzen?! (Hmmm … Will Eisner vielleicht …)

Ditko und Charlton

Nach der Trennung von Marvel Comics (bzw. von Stan Lee) arbeitete Steve Ditko hauptsächlich wieder für den US-Verlag Charlton. Hier hatte er kaum Einflussnahme von Seiten der Redakteure zu befürchten. Denn eigentlich war Charlton eine Druckerei mit angeschlossenem Vertrieb, die zur Auslastung ihrer Maschinen nebenbei Comics veröffentlichte. Die Verbindung Ditko/Charlton riss über die Jahre nie völlig ab. Zwar konnte Ditko bei Charlton keine solchen Erfolge wie mit „Amazing Spider-Man“ verbuchen, doch prägte er das Erscheinungsbild des Verlags entscheidend mit. Erst als der Verlag Mitte der Achtziger Jahre Konkurs anmeldete, trennten sich auch hier die Wege. Charlton hatte mehrere finanzielle Fehlschläge einstecken müssen, u.a. auch das Wegfallen des Vertriebs für das Männermagazin „Hustler“.

Von seinen unzähligen Stationen bei Charlton waren die wichtigsten seine Mitarbeit an: “The Blue Beetle”, “Captain Atom”, “Ghostly Haunts”, “Ghostly Tales”, “Ghost Manor”, “Jungle Jim”, “Konga”, “The Many Ghosts Of Dr. Graves”, “Mysteries Of Unexplored Worlds”, “Out Of This World”, “The Phantom”, “Scary Tales”, “Space Adventures”, “Strange Suspense Stories” und “Unusual Tales”. Besonders hervorstechend aber war Ditkos erster, wiederkehrender Charakter in „Tales Of The Mysterious Traveler”. Zwar hatte er den Traveler nicht selbst erfunden, doch die Kombination von Figur und Zeichner hätte sich nicht besser fügen können.

Seite aus Charltons “Tales Of The Mysterious Traveler” # 8 vom Juli 1958. Steve Ditko ist ein Meister, wenn es um übernatürliche Phänomene in Comicform geht.

Stanton und Mr.A

Zwischen 1958 und 1966 teilten sich Steve Ditko und Eric Stanton (Ernest Stanzoni) ein Zeichenstudio. Obwohl sich Ditko immer wieder von den Bondage- und Fetischzeichnungen Stantons distanzierte, zeigen viele davon deutliche Anzeichen der Handschrift Ditkos. Vielleicht übte Ditkos Kunst einen wesentlichen Einfluss aus oder aber er tuschte die Bleistiftzeichnungen seines Kollegen. Mehrere Bild- und Sekundärwerke über Stanton erschienen beim Ex-Comic-Verleger Taschen.

A = A. – Aristoteles‘ Formel liegt der Philosophie des Objektivismus zugrunde. Dies bedeutet eine strikte Trennung von Gut und Böse. Entweder ist man das eine oder das andere. Jeder Kompromiss schadet den Guten und hilft den Bösen. Eine bedeutende Vertreterin des Objektivismus ist die Autorin Ayn Rand, deren Bestseller „Atlas Shrugged“ (dt. „Atlas wirft die Welt ab“) 1957 erschien. Derzeit laufen Vorbereitungen für eine Umsetzung des Stoffs auf Zelluloid, bei denen Gerüchten zufolge Angelina Jolie und Bratt Pitt die Hauptrollen spielen sollen.* Steve Ditkos Figur Mr. A (abgeleitet von A = A) erblickte das Licht der Welt erstmals im Jahr 1967 in „Witzend“ # 3. Der Charakter des Mr. A ist umstritten. Ditkos Storys vermitteln ein klar abgestecktes Weltbild, getrennt nach schwarz und weiß ohne Zwischentöne. Der Reporter Rex Graine wird zu Mr. A, der das Gesetz selbst in die Hand nimmt, um Gerechtigkeit walten zu lassen. Zu seinem Kostüm gehören eine Maske aus Metall mit einem starren Gesicht und metallene Handschuhe. Jegliche Kleidung, inklusive Maske und Handschuhe ist in weiß gehalten. Die Handlung spiegelt Ayn Rands Objektivismus – und Ditkos Verbundenheit damit – wieder. An seiner Figur hat Steve Ditko alle Urheberrechte (im Gegensatz zu seinen Schöpfungen für die US-Großverlage wie z.B. Marvel und DC). Mr. As Auftritte erschienen über Jahre verteilt meist bei Independent-Verlagen und in Fanzines.

Steve Ditkos umstrittene Schöpfung “Mr. A”. Kann man unsere Welt wirklich in schwarz und weiß, ja und nein oder gut und böse trennen? – Links das unscharfe Jugendfoto, das jahrzehntelang das einzige war , das man von Steve Ditko zu sehen bekam.

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* Zum langsamen Tod dieses als Dreiteiler angelegten Projekts – ohne die „Brangelinas“ – siehe https://blog.montyarnold.de/2019/03/06/heisser-buchtipp-fuer-netflix/

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