Die Stimme aus der Nebenwelt

betr.: 84. Geburtstag von Manfred Schott

Manfred Schott war eine der meistgehörten deutschen Synchronstimmen im Fernsehprogramm meiner Jugend. Er sprach den Dr. McCoy in „Raumschiff Enterprise“* und war der Stammsprecher für Dustin Hoffmann und Jack Nicholson (welchen er sich mit dem eleganteren Hansjörg Felmy teilen musste). Dass Manfred Schott mir so häufig auffiel, hatte auch einen delikaten Grund: sein Sound passte in meinen Ohren räumlich niemals zu dem der übrigen Mitwirkenden. Er wirkte  stets wie eine Erzählerstimme, die sich in den Dialog verirrt hatte, was sowohl an seiner Sprechweise als auch am schieren Klang seiner Stimme lag. (Mit der Stimme von Helga Trümper hatte ich oft das gleiche Problem …) War dieser Irritationsfaktor überwunden, fühlte ich mich für den Rest des Films aber immer ganz wohl mit ihm.

Obwohl Manfred Schott einer der Größten seiner Zunft war, war wenig Biographisches über ihn herauszubekommen, als er 46jährig unweit der Unterföhringer Synchronstudios in der Blüte seiner Schaffenskraft bei einem Autounfall ums Leben kam, den er nicht selbst verschuldet hatte. Als Bühnenschauspieler hatte er in Lübeck gewirkt und in TV-Serien kleine Auftritte absolviert. Derjenige davon, der am solidesten in der Wiederholungsschleife unseres TV-Angebots bewahrt ist, ist wiederum angemessen mysteriös: in der Folge „Der Geigenspieler“ der klassischen Krimiserie „Der Kommissar“ erleben wir ihn als ungenannte Stimme eines Zugschaffners.
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* Siehe dazu https://blog.montyarnold.de/2020/01/20/wer-war-dr-mccoy/

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