Richard Kummerfeldt – An den Rändern der Traumfabrik (28)

Diesen Bericht seiner späten Aktivitäten als freier Filmmusikproduzent verfasste Richard Kummerfeldt im Exil in Südamerika für ein (deutsches?) Fachmagazin bzw. einen gewissen John. Es gewährt Einblicke in die letzten Jahre der Tonträgerindustrie vor deren Verschlafen der digitalen Revolution, in die Welt der käuflichen Filmmusik, die Seele des Sammlers (heute „Nerd“), die Finessen des sich wandelnden Urheberrechts und erzählt von der Arbeit mit schwierigen Bürohengsten und Künstlerpersönlichkeiten Mitte der 90er Jahre.

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Anfang 1995 hatte ich den Entwurf des neuen Gesetzes in den Händen. Das Urheberrecht sollte auf 50 Jahre hinsichtlich des Bandrechtes ausgeweitet werden, und Filme sollten urheberrechtlich gesehen bis 70 Jahre nach dem Tod des letzten wichtigen Mitwirkenden geschützt sein. Wer alles als „wichtig“ angesehen wurde, habe ich vergessen, aber es waren natürlich die Hauptdarsteller, der Regisseur, der Drehbuchautor und natürlich auch der Komponist aufgelistet. Wann also der erste „Mickey Mouse“-Film „Public Domain“ wird, werden künftige Generationen ausknobeln müssen.

Aber in diesem Gesetz wurde auch festgeschrieben, dass alle einmal erschienenen Titel auf dem Markt verbleiben und auch nachgepresst werden können. Und alle Produktionen, die sich zu der Zeit, da das Gesetz in Kraft tritt, in Arbeit befanden, auch noch veröffentlicht werden dürfen. Die Möglichkeit, die diese Durchführungsbestimmung bot, war mir seinerzeit nicht klar. Ich hätte Herrn Kukuk befragen sollen. Inzwischen habe ich mir das mal überlegt: Thomas und ich hätten eine Liste von 50, 100 oder mehr Titeln erstellen können, diese Liste der GEMA und ans Presswerk geschickt und sie als “in Arbeit“ deklarieren können.  Aber warum? TK würde sich bald von dieser Welt verabschieden, TF wollte nach Dassendorf umziehen, was bedeutete, dass ich für die Fahrt zur Arbeit täglich nicht mehr 40 Minuten brauchen würde, sondern zwei Stunden. Und irgendwie war ich müde geworden.
Daran waren weniger die Hasstiraden aus den Staaten verantwortlich, als vielmehr der geringe Rückhalt aus der deutschen Sammlerszene. Zwar hatten wir fünf oder sechs Mal den „Preis der deutschen Schallplattenkritik“ erhalten, aber ansonsten war in Deutschland großes Schweigen. Da brach in Neuseeland Colin eine Lanze für uns, und in den Staaten riskierte ein unerschrockener Sammler und Fimmusikrezensent durch positive Besprechungen unserer Produkte, in Ungnade zu fallen.
Aber in Deutschland? Keiner wollte jemals wissen, wieviel Blut, Schweiß und Tränen durch unsere Projekte geflossen sind. Und nie hat sich jemand herbeigefunden, der mal klar und deutlich gesagt hätte, dass es ohne meine Vorarbeit in Saarbrücken und später in Hamburg den beiden „L“s wohl niemals gelungen wäre, vom Herausgeber kleiner Fachmagazine zu Plattenproduzenten zu mutieren.

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