Augen zu, Ohren auf: „Schwarzer Engel“

Schlechte Filme mit guten Soundtracks

Es ist ebenso tragisch wie folgerichtig, dass es keinem Regisseur gelungen ist, Alfred Hitchcock stilistisch nachzueifern. Bis heute wirkt die Formulierung „im Hitchcock-Stil“ flapsig und vermessen, und selbst seine größten wirklichen Verehrer innerhalb der Branche – Truffaut, Chabrol oder Scorsese – haben letztlich etwas völlig anderes gemacht als der „Meister der Spannung“. Immerhin hat es zwei, drei ganz hübsche Parodien gegeben – Stanley Donen dürfte es am besten hinbekommen haben.
Und dann gab es noch Brian De Palma.

Seine große Zeit waren die 80er Jahre, eine Kino-Epoche, in der in Hollywood (passend zum Inhalt) sogar auf Video gedreht wurde. De Palma legte gleich mehrere Werke vor, die er als Hitchcock-Filme verstanden wissen wollte. Rein optisch huldigen sie eher dem Stil von David Hamilton und begnügen sich weiterhin damit, große Hitchcock-Szenen nachzustellen.
Keiner dieser Filme berührt so peinlich wie „Schwarzer Engel“ (1974), doch hierfür hat Bernard Herrmann seine letzte sinfonische Filmmusik geschrieben. Da De Palma diesem ehemaligen Hitchcock-Mitarbeiter völlig freie Hand ließ ihn und zur Selbstparodie geradezu ermunterte, geriet „Obsession“ tatsächlich zu so etwas wie Herrmanns Vermächtnis. Noch einmal tobt er die ganze Finsternis seiner Künstlerseele aus und lässt jegliche Zurückhaltung fahren (- worauf gälte es hier auch, Rücksicht zu nehmen?).*
Dieser Soundtrack – er wurde auf LP, CD und einem Bootleg vorgelegt – ist ein Festmahl für Herrmann-Fans und für alle Freunde klassischer Thriller-Musik.
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* Siehe dazu auch https://blog.montyarnold.de/2018/11/18/11829/

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