Herrscher der Zwischenwelt

betr.: 52. Geburtstag von Hennes Bender

Hennes Bender kenne ich seit den Tagen, als Comedy noch etwas Frisches war, das sich nicht jeder zutraute. Es war die Phase zwischen der späten Kabarett-Ära – bei der man es mit einer Handvoll wohlfeiler Kohlwitze bis ganz nach oben schaffen konnte – und dem Comedy-Boom. In dieser hochspannenden Transition Time war eine persönliche Note Trumpf, und wenn einmal über den allzualltäglichen Alltag gesprochen wurde, bekam hatte er einen Twist, den das Publikum nicht zwingend vorhersah, sobald man den Mund aufmachte. Hennes Bender verkörpert diese Zeit heute wie kein Zweiter.
Würde man einen Zuschauer von damals in eine Zeitmaschine setzen und in sein aktuelles Programm beamen, so hätte er das Gefühl, dass alles noch Ordnung sei.

Hennes spricht als Nerd zu uns, als angreifbares Individuum, aber niemals tritt er in die so naheliegende Falle, sich beiläufig als Problemfall einzusortieren (so nach dem Motto: Nerds sind ja eigentlich Loser). Man bekommt ein Gefühl davon, wie herrlich es sein muss, die Kindheit in die eigene Tasche gesteckt zu haben.
Und obwohl auch er den Umstand nicht unerwähnt lässt, dass er zwar zu den Kleinsten aber nicht zu den Jüngsten gehört, artet sein Vortrag niemals in die gegenwärtig so angesagte „Und wirft der Arsch auch Falten“-Folklore aus.
Bei aller Frechheit ist er niemals nihilistisch. Aus den Dingen, die er liebt und denen er huldigt – und Hennes spricht am liebsten über solche – holt er die maximale Schadenfreude heraus; man denke nur an seine Neuerfindung der „Bohemian Rhapsody“.

Wieviel Hennes Bender als Parodist zu bieten hat, fällt einem womöglich erst auf den zweiten Blick auf (wie immer, wenn eine Darbietung keine Wünsche offenlässt). Mich machte diese Anekdote darauf aufmerksam: eines von Hennes‘ Originalen sprach ihn mal auf einer Hörspielmesse an und hatte ein Anliegen: „Wenn die Angebote, die ich wegen drohenden Dumpings ablehnen muss, ersatzweise an dich herangetragen werden, lehne sie bitte ab!“ Das ist eine Auszeichnung ganz besonderer Art.

Dieser Beitrag wurde unter Hörspiel, Kabarett und Comedy, Popkultur abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.