Der Song des Tages: „Ach Alfred, lass ihn doch!“

betr.: 17. Todestag von Ulrich Roski

Heute würde ein Sänger wie Ulrich Roski vermutlich auffallen – und gar nicht mal unangenehm, was einem sardonischen Humoristen von seiner Sorte auch nichts ausgemacht hätte. Zu seiner großen Zeit, den 70er Jahren, der Blütezeit des Blödelns*, befand er sich in einem beinahe überlaufenden Pool des blühenden Blödsinns als einer von vielen Virtuosen dieser Kunst.
Niemand hatte breitere „E“s und spitzere „U“s als Ulrich Roski, nicht einmal Loriot (der sich als einer seiner Zeitgenossen am längsten gehalten hat).

Den Tango „Ach Alfred, lass ihn doch“ habe ich ein, zwei Mal im Radio gehört, als mir sein Schöpfer noch kein Begriff war. Irgendwann erkannte ich Ulrich Roskis Stimme in größeren Erfolgen wieder, doch den irren Song mit der Startzeile „Du hast auf mein Kotelett geniest, Karl-Heinz! Ich halte dies für das Benehmen eines Schweins!“ konnte ich nicht vergessen. Ich suchte ihn vergebens in Plattenläden, auf Flohmärkten, in Anthologien, bei befreundeten Kollegen und im Schall-Archiv des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Ich fand ihn nicht. Kein Wunder: die Refrain- und Titelzeile war mir nämlich entfallen.

Als ich den Song mit vielen Jahren Abstand endlich wiederhörte, bestätigte sich die von Loriot oft verkündete Regel: „Altmodisches hält sich länger!“ (Roskis Lied kommt als Salon-Stück der 20er Jahre daher.) Auch heute müsste „Ach Alfred, lass ihn doch“ prächtig funktionieren, denn es wird sich darin gesellschaftspolitisch nicht festgelegt. Wird hier die schlechte Angewohnheit, mit dem Pferd eines Mitmenschen zu duschen, etwa angeklagt? Oder macht sich der Interpret umgekehrt über all die Kleingeister in unserer Mitte lustig, die wegen des ungefragten Verheizens ihres Fagotts ernstlich aus der Hose springen?
Ulrich Roski hat dieses Geheimnis mit ins Grab genommen.

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* Siehe dazu https://blog.montyarnold.de/2015/02/01/nonsense-king/

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