Geschichte des Komiker-Handwerks (1)

Einführung

In „Joe Franklin’s Encyclopedia Of Comedians“ wird der Ursprung des menschlichen Humors so beschrieben: ein Urmensch beschließt, nicht länger auf allen Vieren zu laufen und richtet sich auf. Seine Ungeschicklichkeit und das Fallen über die eigenen Füße werden von den anderen mit „seltsamen Geräuschen“ quittiert, die wie „ha-ha“ klingen.
Wenn wir nicht ganz so weit zurückgehen möchten und wenn wir weiterhin die Traditionen der Clowns, Possenreißer und Hofnarren sowie der sich im Mittelmeerraum entwickelnden Schauspielkunst (bei der immerhin eine der beiden Masken eine lachende ist), vernachlässigen, dann beginnt sich im 19. Jahrhundert jener Typus zu entwickeln, den wir heute mit dem Sammelbegriff „Komiker“ bezeichnen.

Er ist eine Mutation des Komödianten auf dem Theater, der noch ein Handlungsumfeld, Kostüm, Requisiten und Spielpartner brauchte, um seine Kunst zu entfalten. Selbst der irische Vaudeville-Komiker, der für die Entwicklung des amerikanischen Comedians von besonderer Wichtigkeit war, verstand sich noch als Teil eines Ensembles. Der moderne Komiker wird allein auftreten, auf das ganze Drumherum verzichten und sich direkt ans Publikum richten. Die gebräuchlichste Definition von Stand-Up Comedy spricht von einem meist stehenden Solokünstler, der seinen Zusehern ohne Unterstützung durch ein Bühnenbild, in unaufwändiger Aufmachung und ohne Einbettung in eine übergeordnete Handlung Witze, Wortspiele oder komische Episoden vorträgt. Er wird darauf achten, das Gesagte zunächst alltäglich zu halten und als eigenes Erlebnis auszugeben, und – wenn er sein Handwerk versteht – auf eine ganz gar nicht alltägliche Überlegung hinauslaufen. Ein solcher Vortrag, eine Routine, dauert 10 bis 15 Minuten.
(Ich habe bisher nur die männliche Form benutzt. Das dient nicht nur dem Erzählfluss, es handelte sich hier tatsächlich lange Zeit um eine Männerdomäne.)

Dieser Text ist ein Auszug aus dem Essay „Humor Omnia Vicit“.

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