Augen zu, Ohren auf: „Tante Daniele“

Schlechte Filme mit guten Soundtracks (7)

Sozial unverträgliche Zeitgenossen, ihre miese Laune und ihr loses Mundwerk können im Film großen Spaß machen. In den 80er und 90er Jahren wurde die weibliche Variante dieses Rollenfachs besonders ausgelotet, etwa in Serien wie „Absolutely Fabulous“, „Roseanne“ oder „Golden Girls“. Natürlich ist das nicht so einfach wie es im Gelingensfall hinterher aussieht, denn man braucht dafür verdammt gute oder doch wenigstens routinierte Autoren. Die waren bei der Herstellung der französischen Komödie „Tatie Danielle“ (1989) offensichtlich nicht zu finden, und so lässt man die greise Heldin vor allem Böses tun.
Das geschieht unablässig, ohne Charme und vollkommen unmotiviert. Wir erfahren immerhin (nur im Pressetext, der Dialog verrät es nicht), dass Danieles Gatte Edouard, ein Offizier, kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs durch einen lächerlichen Unfall ums Leben gekommen ist.

Schlimm war nicht nur der Film selbst, sondern auch die Reaktionen darauf. Die Kritiken waren überwiegend positiv, sei doch die darin enthaltene „Frechheit“ und „politische Unkorrektheit“ so „erfrischend“. (Als ob eine unwitzige Komödie frech sein könnte und durch „Unkorrektheit“ allein witziger würde.) Noch unerfreulicher waren die wenigen Verrisse, die den Film gar nicht wirklich beurteilten, sondern pauschal argumentierten, die Abbildung böser alter Menschen zeichne ein falsches Bild dieser Gesellschaftsschicht. Um sich den Ruch der Objektivität zurückzuholen, lobten einige davon die „glänzende Besetzung“ der Hauptrolle – was nun wirklich unkorrekt ist.

Wieder einmal musste die Musik als Trösterin hinzuspringen. Der junge Gabriel Yared komponierte ein beschwingtes Thema, das er – zugegeben – mangels alternativen Materials zu häufig strapaziert.* Aber davon abgesehen verbreitet sein Walzer eine gewisse Heiterkeit, auch in den Variationen der Szenenmusik. In der Vokalversion der Singer-Songwriterin Catherine Ringer ist das Stück dem unglücklichen Edouard gewidmet. Was heißt unglücklich? – „Tante Daniele“ ist ihm immerhin erspart geblieben. __________________
* Siehe dazu auch https://blog.montyarnold.de/2015/10/07/die-petitessen-des-monsieur-yared/

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