Daheimbleiben mit … „On The Beach“

betr.: Home-Entertainment in der Corona-Krise

An sich kein Fan von laienhaften Profi-Handbüchern liebe ich die Liste der Filmtypen, in die sich laut Ted Snyder* alle bisher gedrehten Filme einordnen lassen – jenseits solcher Genres wie Western / Krimi / Schnulze.
„Eingewiesen“ heißt die Kategorie, die sich in diesen Tagen für all jene anbietet, die einen Eskapismus Light bevorzugen. Für alle, die sich nicht restlos von der Realität abkoppeln möchten, ist das apokalyptische Gesellschaftsdrama „Das letzte Ufer“ genau das Richtige!

Als erste große Kinoproduktion macht dieser Schwarzweißfilm die drohende (hier bereits vorweggenommene) Nuklearkatastrophe zu seinem Plot. Die radioaktive Wolke, die das menschliche Leben der übrigen Welt bereits dahingerafft hat, bewegt sich unaufhaltsam auf den letzten unbehelligten Kontinent Australien zu, wo rein optisch noch alles in Ordnung ist. Die Menschen genießen das Leben, solange sie noch können, der Originaltitel „On The Beach“ verweist darauf. Unterdessen verteilt die Regierung vergifteten Tee an das Volk, um ihm zu gegebener Zeit ein würdevolles Ende zu ermöglichen.
Der couragierte Filmemacher Stanley Kramer leitet ein eindrucksvolles Ensemble.
Der soeben aus dem Musical-Fach ausgestiegene Fred Astaire spielt einen Nuklearwissenschaftler und Hobby-Rennfahrer, Anthony Perkins (bereits abonniert auf nervöse Typen, aber noch unbelastet von seinen bevorstehenden Psychopathen-Rollen) einen jungen Familienvater, Gregory Peck einen amerikanischen Offizier, der sich down under in Ava Gardner verliebt hat und der nun sein Atom-U-Boot einem ominösen Hinweis hinterhersteuert. Ein wirrer Funkspruch weckt Hoffnungen, es könne „da draußen“ noch menschliches Leben existieren …

„On The Beach“ ist heute eine Kuriosität – aber eine hochinteressante. Und eine, aus der man optimistisch wieder auftauchen und sich dem Leben zuwenden kann.    
Die Bilder des bei herrlichstem Wetter menschenleeren Melbourne, die uns den Film heute so besonders nahebringen, waren nur möglich dank der Kooperationsbereitschaft der Bevölkerung (!).
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* Autor des Drehbuch-Handbuchs „Rette die Katze!“, siehe dazu auch https://blog.montyarnold.de/2018/05/10/die-fidele-klapsmuehle/

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