Geschichte des Komiker-Handwerks (8)

Fortsetzung vom 7. April 2020

Bereits im Vaudeville gab es freilich eine Hackordnung. Der „Headliner“ trat als letzte Nummer vor der Pause auf und kehrte als vorletzter Act des Abends zurück. Gab es zwei solcher Highlights, war der spätere jener, den die Direktion als attraktiver einstufte. In den 30er Jahren bildete oftmals eine Bigband Anfang und Ende des Programms, aber da war das Vaudeville bereits im Begriff, sich aufzulösen.
Der Siegeszug des Musicals in der Folge seines ersten Welterfolgs „Show Boat“ 1927 ließ diese Kultur untergehen; das Konzept war gewissermaßen geschluckt worden.

In seinen Anfängen im 19. Jahrhundert lockte das Vaudeville sein Publikum vor allem mit anzüglichen Scherzen in die Trinkhallen und Theatersäle. In den 80er Jahren wandelte sich das Programm zur Familienunterhaltung, die unverfänglichen Varieté-Elemente nahmen zu, und das Material der Komiker wurde etwas betulicher bzw. raffinierter. Neue Techniken wurden entwickelt, neue Formen bildeten sich heraus, etwa die bis heute ungemein beliebten He-She-Jokes oder der Punch-Line-Monolog, in dem es bis zur Schlusspointe eine Mindest-Schlagzahl an Gags geben muss.
Und der Slapstick, die physische Comedy. Sie fand ihre populärste Manifestation in der Stummfilmkomödie in Gestalt der fliegenden Sahnetorte. Der Begriff Slap(-)Stick leitet sich vom geräuschvollen aber harmlosen Schlagwerkzeug des Kasperltheaters ab. Ein Hieb damit tut nicht körperlich weh, ist aber recht demütigend.
Machen wir uns nichts vor: berufsmäßiger Humor (der künstlich erzeugte Lacher) beruht stets auf Schadenfreude.

Dieser Text ist ein Auszug aus dem Essay „Humor Omnia Vicit“.

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