Das war Landru

betr.: 151. Geburtstag von Henri Desiré Landru

„Ach, wie leicht ist so ein Frauenherz verführt,
wenn es einen rechten Rattenfänger spürt.“

„Paganini“, Franz Lehár

Henri Desiré Landru wurde am 12. April 1869 in Paris geboren. Sein Vater war Hüttenarbeiter, seine Mutter Schneiderin. Nach dem Besuch der Volksschule wurde er technischer Zeichner und trat mit 20 Jahren in den Militärdienst ein. Er heiratete jung ein Mädchen aus seiner Verwandtschaft, das Ehepaar hatte vier Kinder.
In seiner Lebensführung war er sehr einfach, er trank nicht und rauchte nicht. Eine ausgeprägte Pedanterie veranlasste ihn, von frühester Jugend an über alles und jedes Buch zu führen, alle Einnahmen und auch die kleinste Ausgabe gewissenhaft zu notieren. Das sollte ihm später zum Verhängnis werden.

Da er regelmäßige Arbeit verabscheute, begann er schon früh mit Betrügereien, die
ihm bis 1912 sieben Vorstrafen einbrachten. Als er 1914 in einem kleinen Ort
Nordfrankreichs wegen neuer Betrügereien gesucht wurde, tauchte er in der
Hauptstadt unter; er wurde in Abwesenheit zu vier Jahren Gefängnis verurteilt.
In Paris nannte er sich nun Diard, Petit, Frémet, Dupont, Guillet, Barzieux und
Tartempion. Seine erste Heiratsanzeige gab er im Februar 1914 auf: „Herr, 45
Jahre, ohne Anh., in guter Pos., 4000 Frs. Zinstrag. Vermögen, wünscht Dame
entspr. Alters u. Verm. Zwecks Heirat kennenzulernen.“

In der Inhaltsangabe eines berühmten Films über sein Leben heißt es den
überlieferten Dokumenten entsprechend: „Monsieur Landru ist nicht gerade das,
was man einen ‚schönen Mann‘ nennen möchte. Ehrlich gesagt, er ist sogar recht
unscheinbar: klein, mit Glatze und schwarzem Backenbart. Aber er hat trotz
seiner stechenden Augen etwas Angenehmes und Adrettes an sich … Er kann
außerdem so schön reden – und Verse von Baudelaire zitieren.
Kein Wunder, dass sich Monsieur Landru über einen Mangel an Wirkung auf Frauen
wirklich nicht beklagen kann (…) sentimentale und frivole, melancholische und
neckische, innige und spröde Frauen. Ihr gemeinsames Merkmal ist, dass sie alle
recht vermögend sind. Landru vermag sich auf jede einzustellen: bald ist er
zärtlich, bald brutal, mal poetisch, mal sachlich, mal abwartend, mal
stürmisch. Er kann sinnlich sein, aber auch keusch.“

Beim Einwickeln seiner Opfer kam Landru der allgemeine Mangel an heiratsfähigen Männern in den Jahren des Ersten Weltkriegs zugute.
Als er am 12. April 1919, seinem 50. Geburtstag, verhaftet wurde, war er
bei seiner 283. Frau angelangt, einer sehr jungen charmanten Pariserin namens
Fernande, die noch vor Gericht aussagte, sie sei „sehr, sehr glücklich mit ihm
gewesen“. Dank Landrus säuberlich geführter „Akten“ konnten im
Ermittlungsverfahren alle Frauen festgestellt werden – bis auf zehn, die nicht
aufzufinden waren. Nach Landrus Notizen hatten sie ihn in sein kleines Landhaus
in der Umgebung von Paris begleitet – und nach Zeugenaussagen war keine von
dort wieder abgefahren. Dennoch und obwohl man im Garten seines Hauses
Leichenteile fand – die allerdings nicht zu identifizieren waren -, leugnete
Landru in dem am 7. November 1921 in Versailles beginnenden Mordprozess
hartnäckig jede Schuld am Verschwinden der Damen und erklärte stereotyp, aus
„Kavaliersgründen“ über ihren Verbleib schweigen zu müssen.

Landru wurde am 29. Verhandlungstag zum Tode verurteilt und – drei Wochen nachdem sein Kassationsgesuch verworfen worden war – am 22. Februar 1922, sechs Uhr morgens, in Versailles durch die Guillotine hingerichtet. Bis zuletzt beteuerte er seine Unschuld.Seine Frau ließ sich während des Prozesses von ihm scheiden, seine Kinder nahmen einen anderen Namen an.

Der österreichische Drehbuchautor und Schriftsteller Hugo Bettauer* verlegte die Geschichte um den Mörder für seinen Roman 1922 nach Berlin. In den 40er Jahren wollte Orson Welles Landrus Geschichte auf die Leinwand bringen. Charles Chaplin, der gerade überlegte, wie er ohne seinen klassischen Tramp-Charakter auf der Leinwand weiterbestehen sollte, kaufte ihm die Idee ab und machte daraus „Monsieur Verdoux“.** Das Publikum goutierte diesen Stimmungswechsel nicht. Claude Chabrol, der „Landru“ 1962 auf die Leinwand brachte, hatte er sich für derartige Stoffe bereits empfohlen.

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* Siehe auch https://blog.montyarnold.de/2020/01/07/die-stadt-ohne-juden-hoerbuch/
** Siehe dazu auch https://blog.montyarnold.de/2015/09/05/chaplins-bester-tonfilm/

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