Am Anfang ist Saul Bass

betr.: 43. Todestag von Saul Bass

Bester und wichtigster Grafiker der Filmgeschichte – es ist ein eigenartiger Superlativ, der jedoch ungemein beeindruckend ist, wenn man sich anschaut, was sich genau dahinter verbirgt. Das ist – gleich nach der Lektüre dieses Textes – mit ein paar weiteren Mausklicks ohne Weiteres möglich, deshalb verweilen wir noch kurz bei diesem Superlativ: nach Saul Bass kommt lange niemand, dann folgt auf Platz 2 Maurice Binder, der (sehr selbstreferenzielle) Vorspanndesigner der Bond-Reihe, und auf dem 3. Rang die Erfinder des „Rosaroten Panthers“ und Pioniere des narrativen Cartoon-Vorspanns.* Doch Bass war schon vor ihnen da, und er ist länger geblieben.

Seine Filmvorspänne konnten sehr flamboyant und verschwenderisch sein, aber das mussten sie nicht. Sie waren und blieben überraschend. Wie auch bei den Glanzleistungen der unbewegten Grafik – bei Piktogrammen und Logos – erzielte das Einfache oft einen besonders großen Effekt.
Wie mag sich etwa das Kinopublikum bei „Bunny Lake ist verschwunden“ gefühlt haben – ich kenne das hier Beschriebene nur aus dem Heimkino – als eine große Hand wieder und wieder längliche Fetzen aus der Leinwand herausriss, um den Blick auf die Titel freizugeben, begleitet vom harmlosen aber irgendwie quälenden Geräusch von zerreißendem Papier?

Bis in seine letzten Arbeiten blitzte aber auch immer wieder der Humor des Meisters auf.  
Im Opening zur Scheidungs-Horror-Komödie „Der Rosenkrieg“ gleitet die Kamera über den Faltenwurf weißer Bettlaken. Gefilmt wie die Dünenlandschaft eines epischen Sandalenfilms, erweist sich die Pracht schließlich als das Taschentuch, in dem sich Danny DeVito in Großaufnahme die Nase putzt.
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* Siehe dazu https://blog.montyarnold.de/2019/08/21/pferde-stehlen-mit-friz-freleng/

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