Geschichte des Komiker-Handwerks (12)

Fortsetzung vom 21. April 2020

W. C. Fields

Sein Wahlspruch „Wer Kinder und Hunde hasst, kann kein wirklich schlechter Mensch sein!“ ist heute – in der Ära der hastig (mit)geteilten Aphorismen – populärer als er selbst. W. C. Fields (William Claude Dunkinfield, 1880-1946) brachte damit die Rolle seines Lebens auf den Punkt: den Misanthropen, der von den Menschen geliebt wurde, weil er deren finsterste Gedanken (in komische Zusammenhänge gebracht) offen aussprach. Der Musicalspezialist Stanley Green bezeichnete Fields als einen „Falstaff des 20. Jahrhunderts“, was rein optisch zu dem knollnasigen, rundlichen Komödianten passt, jedoch dessen Temperament außer Acht lässt. „Ich habe nie etwas Komisches gesehen, das nicht grausam war“, pflegte Fields zu sagen. „Was keinen Schmerz verursachte, war auch nicht komisch!“ Das mag ein handwerklicher Standpunkt gewesen sein, doch in den letzten Jahren seines Lebens beförderte sein Alkoholismus diese Haltung auch im wirklichen Leben.

Zur Abgeklärtheit seiner Kunstfigur mag die unglückliche Kindheit beigetragen haben, aus der er mit elf Jahren floh, um sich sein erstes Geld als Jongleur in einem Vergnügungspark zu verdienen. Er schaffte es bis ins Vaudeville. Dort brauchte er gerade mal sechs Jahre, um vom Pausenclown zum Headliner aufzusteigen. Da war er zwanzig.
In den nächsten zwanzig Jahren tourte er mit seinem Act, einer Kombination aus Taschenspieler, Varieté-Artist und der sich entwickelnden Comedy-Persona, die ihn berühmt machen sollte. Seine Art zu sprechen war ein Murmeln, das das Publikum tatsächlich zu gesteigerter Aufmerksamkeit antrieb. Inhaltlich kultivierte er ein soziopathisches Image, wie wir es auch bei den Marx Brothers finden, und hackte fröhlich auf familiären Werten und Minderheiten herum.* Die offenherzigsten Lacher bekam er, wenn er Ärzte, Anwälte und ähnliche Stützen der Gesellschaft verächtlich machte.      Der überaus fleißige W. C. Fields schaffte es besonders gut, seine frühen Vaudeville-Routines auf die Leinwand zu retten. Als sein filmisches Meisterwerk wird „It’s A Gift“ betrachtet, den er 1934 bei der Paramount machte. Später bot ihm Universal Pictures – solange er nicht zu viel Geld dabei ausgab – enorme Freiheiten bei der Verwirklichung seiner Projekte. Er schrieb (unter absurden Pseudonymen) und realisierte vier Komödien, die bis heute gefeiert werden. In einer davon, „My Little Chickadee“ (1940), glänzte er an der Seite der fruchtigen Ikone Mae West.
Die wenigen Jahre, die ihm nun noch blieben, ließen ihn selbst wie auch seinen Erfolg rapide verfallen.

Auszug aus dem Essay „Humor Omnia Vincit“

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