Nelson Algren – Ein amerikanischer Existentialist

betr.: 39. Todestag von Nelson Algren

Als Nelson Algren „The Man With The Golden Arm“ veröffentlichte, war er 40. Der Beststeller fuhr ihm 1950 den National Book Award ein. Auch Otto Premingers Filmversion mit Frank Sinatra wurde ein Klassiker.
„Der Mann mit dem goldenen Arm“ ist ein panoramatischer Roman voller grausiger und skurriler Episoden über einen morphiumsüchtigen Falschspieler, ein Buch über Elend, Korruption und Kriminalität in der Chicagoer West Side.
Allein mit diesem Buch ist der 28. März 1909 in Detroit geborene Autor zur Legende geworden. Hemingway und Faulkner hielten ihn für einen der besten Schriftsteller seiner Generation.

Buchausgabe von 1983

Fünf Romane, zwei Reisebeschreibungen, ein poetischer Essay über Chicago, dazu Kurzgeschichten und weitere Essays bilden Algrens in vielerlei Hinsicht autobiographisch grundiertes Gesamtwerk. Bei ihm geht es ums Leben und Überleben in den Zeiten der Großen Depression, an den Rändern einer krisengeschüttelten Industriegesellschaft. Viele seiner Figuren sind down and out, gehören zu den Außenseitern, die sich oft in zwielichtigen Milieus ansiedeln. Sie leben, wo die Einwanderer, die Zocker und kleinen Ganoven zu Hause sind, die Prostituierten und die Junkies.
In dieser Welt spielen „Nacht ohne Morgen“ und „Der Mann mit dem goldenen Arm“. Beides sind atmosphärisch dichte Chicago-Romane, die auf ihre Art den amerikanischen Traum heraufbeschwören.
Auf der schäbigen Rückseite der Glitzerfassaden ist Kriminalität ebenso eine Überlebensstrategie wie der Boxsport. Von diesen und den wenigen Perspektiven, die sonst noch bleiben, handelt Algrens letzter Roman „Calhoun“ von 1981. Er erzählt die finstere, ebenfalls verfilmte Geschichte des schwarzen Mittelgewichtsboxers Hurricane Carter. Es ist eine Abrechnung mit einem Amerika, dessen Rassismus Schwarze quasi zu geborenen Verlierern macht.
Doch Algren verlor auch das nicht aus dem Blick, was gut war in seinem Land. Jahrzehnte zurückblickend lobte er den New Deal, der in der in der Depression nicht weniger getan habe, als Menschen ein neues Leben zu geben, die schon geglaubt hatten, es sei vorbei.

In Frankreich fand Algren eine besonders begeisterte Leserschaft. Mit den französischen Existentialisten stand der Autor in regem Austausch, etwa mit Simone de Bouvoir, Jean-Paul Sartre und Boris Vian.

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