Der erste richtige Tiomkin*

betr.: 126. Geburtstag von Dimitri Tiomkin

Die langersehnte meisterliche Neueinspielung von 2019 (Intrada)

Für den Komponisten Dimitri Tiomkin bedeutete „Dial M For Murder“ einen wichtigen Schritt. Die ruhelos oszillierende, ätherisch fein gesponnene Musik ist ein neuer konzeptioneller Ansatz, der fortan zu seinem Personalstil gehören sollte: eine Art psychologisches Mickymousing, das auch in diesem Kammerspiel fast nie zur Ruhe kommt.
Tiomkins Musik macht jede innere Gemütsregung hörbar. Der Film ist über weite Strecken durchkomponiert. Wer ihn nicht kennt und die Musik ohne Bild anhört, käme nicht auf den Gedanken, dass die Handlung fast komplett in einer Wohnung spielt und abgesehen von einer dramatischen Attentatsszene keinerlei Action beinhaltet. Trotzdem – überflüssig, das zu sagen – findet der Soundtrack glänzend mit der bildlichen Ebene zusammen.
(Ich liebe es, wenn sich Tiomkins Musik in der Wohnung verbreitet. Sie wirkt luftig, sie vergrößert förmlich den Raum.)

Das Vorspiel zur Ouvertüre ist das signifikanteste Intro aller Hitchcockfilme. „Dial M For Murder“ ist die vierte Partnerschaft von Musiker und Regisseur, und hätte nicht im folgenden Jahr Hitchcocks lange, durchgehende Zusammenarbeit mit Bernard Herrmann begonnen, wären ihr sicher noch weitere gefolgt. Jedenfalls schätzte Hitchcock nicht nur die Arbeit des leutseligen ukrainischen Genussmenschen, er mochte auch Tiomkin selbst.
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* Siehe dazu auch https://blog.montyarnold.de/2015/05/10/bitte-nicht-hassen/

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