Geschichte des Komiker-Handwerks (27)

Fortsetzung vom 13. Juni 2020

Die Mehrheit der New Wave Comics war durchaus um einen differenzierteren Blick bemüht. Wie stets waren die Probleme der Zeit ein idealer Nährboden für ihren Humor. Es waren sogar weitgehend die gleichen Probleme wie heute: Bigotterie, neue Armut, Aufrüstung, Arbeitslosigkeit und Rassismus. Historiker und Medienphilosophen sahen im Erfolg dieser Strömung ein Zeichen für die zunehmende Sensibilisierung des Publikums für die verhandelten Themen. In jedem Falle signalisierte er dessen Wunsch, über extremere Pointen zu Lachen und sich von einigen alten Leitsprüchen zu verabschieden.

Im Kalten Krieg kam der Galgenhumor – passend zum angestrebten „Gleichgewicht des Schreckens“ – schwer in Mode. Mort Sahl fragte sich, „wether the unidentified aircraft appoaching would drop a hydrogen bomb or spell out Pepsi-Cola in skywriting“. Der Sicknick Irwin Corey beschrieb die allgemeine Befindlichkeit, auf die er und seine Kollegen antworteten: “The future seems so precarious, people are willing to abandon themselves to chaos.”

Beginn der Comedy-Club-Kultur

In der Zeit New Wave Stand-Ups ging das Konzept solcher Institutionen wie „The Bitter End“, „the hungry i“ oder des New Yorker „The Improvisation“ in Serie. Überall in den USA bildeten sich reine Comedy-Clubs: des Comedians natürliches Arbeitsumfeld, das Horror-Labor, in dem das „Frankenstein monster of our unsaid thoughts“ Nacht für Nacht zum Leben erwachen konnte – die zitierte Umschreibung stammt von William Keough, der die Bösartigkeit schlechthin als das Schlüsselelement des amerikanischen Humors ausmachte.*
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* … nicht nur des amerikanischen, findet der ST: GEORGE HERALD unter https://blog.montyarnold.de/2015/02/22/albernes-ueber-das-lachen/

Auszug aus dem Essay „Humor Omnia Vincit“
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