Die wiedergefundene Textstelle: „Bonjour Tristesse“

Ein berühmter Literaturkritiker erklärte einmal, alle Belletristik sei autobiographisch, und für das erste Buch gelte das in besonderem Maße.
Die Figur der Cécile in „Bonjour Tristesse“ ist ihrer Erfinderin Françoise Sagan in der Tat zum verwechseln ähnlich: ein junges Mädchen, das von seiner materiellen Sorglosigkeit eine gewisse Leere davonträgt.
Ihr Erstlingswerk machte die 18jährige Literaturstudentin aus wohlhabendem Hause so reich, dass die Ähnlichkeiten neuerlich beflügelt wurden.

Ach, Jacques, mein guter Jacques. Er wird sich doch nicht in mich verliebt haben, der Ärmste?!?
Nach dem Rennen wird er mich zum Abendessen einladen und danach zum Tanzen und am Donnerstag zum Tennisturnier und am Sonntag auf’s Land.
Eine solche Zeitverschwendung, lieber Jacques.
Eine so hoffnungslose Zeitverschwendung!
Er sieht gut aus, und er ist nett. Und ich würde ihn gerne warnen.
Aber er würde es nicht begreifen. Ich kann nichts von dem empfinden, was er sich wahrscheinlich wünscht, weil eine Mauer um mich ist. Eine unsichtbare Festung unvergesslicher Erinnerungen, die ich nicht niederreißen kann.
Aber auch zwischen meinem Vater und mir ist es nicht mehr so wie früher. Nichts ist mehr so wie früher! Werde ich je wieder so glücklich sein wie ich es damals war?
So lebe ich weiter, von meinen Erinnerungen eingeschlossen wie in einer Falle, aus der es kein Entkommen gibt!
Und oft frage ich mich, ob auch er, wenn er allein ist, von seinen Erinnerungen erdrückt wird.
Ich hoffe, nicht!

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