Auf einmal war es Morricone

Zum Tode von Ennio Morricone

Das erste Mal las ich den Namen Ennio Morricone auf dem Cover der Single „Das Lied vom Tod“, die meine Mutter sich gekauft hatte. (Unter diesem Titel wurde das berühmte Stück Schallplatte damals in Deutschland verkauft.) Das erste Mal, dass ich mich mit jemandem über deren Komponisten unterhalten konnte, war einige Jahre später im Plattenladen von Richard Kummerfeldt* (und das ist auch schon wieder 35 Jahre her). Mit seiner Hilfe versuchte ich, den italienischen Meister richtig einzuordnen. Er war nicht mein allergrößter Liebling, aber ein Argument war nicht von der Hand zu weisen. „Morricone ist der Musiker, bei denen die Leute die Filmmusik wirklich bemerken!“ meinte Richard.

So richtig groß geworden war Morricone zusammen mit dem Regisseur Sergio Leone, auf den die Single aus der Sammlung meiner Mutter verweist.
Ihre erste Begegnung beschrieb Leone so: „Als ich ‚Für eine Handvoll Dollar‘ drehte, wollte ich Ennio Morricone nicht, weil ich ihn nicht kannte. Wir trafen uns, weil der Produzent es wollte. Er erkannte mich sofort und sagte: ‚Weißt du noch, wir waren zusammen auf der Schule!‘ Ich sagte: ‚Quatsch, das kann jeder sagen!‘ Dann zeigte er mir ein Foto der fünften Klasse. Wir saßen in derselben Reihe.“ Nun fiel Leone auch wieder ein, dass der Morricones Musik bereits in einem anderen Western gehört hatte. „Ich habe deinen Film gesehen, die Musik ist echt scheiße“, erklärte er dem Musiker, bat ihn aber, ihm etwas anderes vorzuspielen. Der wählte ein Thema aus, das er sieben Jahre zuvor für einen amerikanischen Sänger mit Bassstimme geschrieben hatte. Der galoppierende Rhythmus und die drolligen Verzierungen kündigten den uns vertrauten Sound bereits an.
Leone weiter: „Ich hörte diese Stimme, die mir auf die Eier ging. Aber irgendetwas daran fand ich interessant. Ich saß dumm da und sagte schließlich: ‚Du machst den Film! Du musst nur jemanden finden, der gut pfeifen kann.’“

Na sowas! Will sie da etwa ein großer Regisseur ein Stück vom Kuchen des Personalstils eines noch größeren Komponisten abschnippeln?  Warum auch nicht? Der Erfolg hat bekanntlich viele Väter.

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