Der Komiker als Filmheld (1): „Make Me Laugh“

In dieser Reihe werden Filme vorgestellt, deren Helden Komiker sind. Nach einer kurzen Inhaltsangabe werden die Filme hauptsächlich danach beurteilt, wie kundig und glaubhaft sie diesen Beruf abbilden. (Meistens entspricht dieser Aspekt aber auch der Gesamtnote.) Biopics werden an anderer Stelle behandelt.

„Make Me Laugh“, USA 1971

Der drittklassige Komiker Jackie Slater ist im niedersten Tingeltangel angekommen – und wird selbst dort wegen ausbleibenden Gelächters vor die Tür gesetzt. Als ihm auch noch der Agent fortläuft, betrinkt er sich in der nächsten elenden Kaschemme. In Chatterje lernt er dort einen Leidensgenossen kennen. Wenn dieser, ein echter Swami aus dem Orient, nicht bis Mitternacht ein Wunder gewirkt habe, würde er aus der Magier-Innung geworfen, erklärt er. Slater drängt ihn, dieses Wunder an ihm vorzunehmen und besteht selbst dann noch darauf, als im Chatterje gesteht, dass bei seinen Handauflegungen meistens etwas schiefgeht.
Tatsächlich geht Slaters Wunsch in Erfüllung: alle müssen von nun an über ihn lachen, welchen Stuss er auch von sich gibt. Doch Chatterjes Warnung ebenfalls.
Als Slater ihn daraufhin um einen zweiten Gefallen bittet, wird ihm auch dieser gewährt – mit noch schlimmeren Folgen …

Die meisten Filme über Komiker haben ein Besetzungsproblem, denn nicht einmal jeder gute Schauspieler kann glaubhaft einen Komiker verkörpern. Umgekehrt gilt aber ebenso: Komiker sind nicht automatisch auch Schauspieler. (Bezeichnenderweise sind die besten Beiträge zu dieser Sparte jene, in denen der Protagonist beides ist*.) Ein trefflicher Beweis dafür, wie glücklos sie selbst bei der Darstellung ihres eigenen Berufes agieren können, ist diese Folge aus der durchwachsenen ersten Staffel von „Night Gallery“. Der junge Steven Spielberg führte Regie in dieser Arbeit für ein Medium, dessen lebenslanger Verachtung er sich ebensolange gerühmt hat. Doch seine Regie ist nicht an allem schuld.
Die im Buch angelegte Tragik bringen beide Hauptdarsteller, zwei Nachtclub-Komiker, nicht zum Vorschein. Der seinerzeit recht populäre Godfrey Cambridge schneidet unentwegt derart krawallige Grimassen, dass man ihm weder seine Sensibilität abkauft noch ihn ob seiner Verzweiflung bedauert. Jackie Vernon wiederum ist schlichtweg muffig und verströmt trotz seines Turbans die magische Aura eines Schalterbeamten.
Der Autor des Drehbuchs war entsetzt und machte sich den Vorwurf, das Vaudeville wiederbelebt zu haben. Das ist in der amerikanischen Comedy-Branche eine Metapher für den unkomischsten anzunehmenden Unfall.**
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* Siehe hierzu auch https://blog.montyarnold.de/2017/04/17/die-schoensten-filme-die-ich-kenne-king-of-comedy/ und die betreffenden Kapitel zu „Saturday Night Life“, beginnend mit https://blog.montyarnold.de/2020/07/29/humor-omnia-vincit-32/
** Eine differenzierte Darstellung dieser Kunstform findet sich unter https://blog.montyarnold.de/2015/06/14/die-erfindung-des-entertainers/

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