Der Komiker als Filmheld (2): „Wahre Lügen“

In dieser Reihe werden Filme vorgestellt, deren Helden Komiker sind. Nach einer kurzen Inhaltsangabe werden die Filme hauptsächlich danach beurteilt, wie kundig und glaubhaft sie diesen Beruf abbilden. (Meistens entspricht dieser Aspekt aber auch der Gesamtnote.) Biopics werden an anderer Stelle behandelt.

„Wahre Lügen“ („Where The Truth Lies“), USA 2006

Lanny Morris und Vince Collins sind Comedy-Götter der 50er Jahre, die die Nachtclubs zum Kochen bringen. Bei einem ihrer Gastspiele wird die junge Maureen in ihrer Suite tot aufgefunden. Obwohl ihnen ein Mord nicht nachgewiesen werden kann, zerbricht ihre Partnerschaft an der Affäre.
Fünfzehn Jahre später rollt die junge Journalistin Karen O‘Connor den Fall nochmals auf. Lanny und Vince ahnen nicht, dass sie in Karen eine alte Bekannte vor sich haben …

Ungeheuerliches hat Jerry Lewis dem DeanMartin-Biographen Nick Tosches über seine wilden Jahre in Las Vegas verraten, über die Zeit, in der Martin & Lewis eine Hysterie entfachten, die von Zeitzeugen später mit der Beatlemania verglichen wurde. Er beschreibt Exzesse, alltäglichen Umgang mit Mafiosi (die hier als Veranstalter agierten), dazu viel Selbstkritisches und unsentimental Nachdenkliches. Rupert Holmes, Autor der Romanvorlage für und Mitautor am Drehbuch von „Where The Truth Lies“, hat diese Biographie offensichtlich genau studiert (wenn auch nicht begriffen) und verquickt ihre Welt der Spielhöllen und Nachtclubs  mit einer erfundenen Mordgeschichte.
Selbst wenn man die Erinnerung an die realen Vorbilder in Schach hält, ist es unmöglich, in Kevin Bacon und Colin Firth ein Comedy-Duo zu erblicken.
Die beiden sind weder komisch oder auch nur amüsant (nicht mal unfreiwillig) noch als Duo glaubwürdig, das ja eine gemeinsame Magie entfalten muss, um einen Erfolg zu haben wie er hier behauptet wird. Sie funktionieren leidlich als verkrachte, miteinander hadernde Existenzen, aber damit tut man Dean Martin und Jerry Lewis ein weiteres Mal unrecht.
Der Film versteht sich selbst als „entlarvend“, doch weder als psychologische Studie noch als Sittengemälde des Schattenreichs zwischen Entertainment und organisiertem Verbrechen hat er uns das Geringste zu erzählen – von der Welt der Comedy gar nicht zu reden.*
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* Ein ähnliches künstlerisches Desaster ist neuerer Film, der das behandelte Komiker-Duo ausdrücklich benennt: https://blog.montyarnold.de/2019/05/14/13379/

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