Charles Laughton und Alfred Hitchcock …

Zwei Londoner Charakterköpfe

betr.: „Jamaica Inn“ erscheint als Hörbuch von Jens Wawrczeck

Es ist ein Jammer, dass ein Schauspieler wie Charles Laughton – dessen Performance in „Witness For The Prosecution“ von einigen als genialste schauspielerische Leistung im Werk des großen Billy Wilder angesehen wird – nur in zwei eher übel beleumundeten Hitchcock-Filmen auftrat. Beide wurden vom Regisseur selbst nicht geschätzt. „Jamaica Inn“, der schlechtere davon, hat es als einziger seiner Filme gar in das Buch „The Fifty Worst Movies Of All Time“ geschafft.
Zum Glück für uns ist die Romanvorlage diesmal eindeutig besser!

Laughton ist am Missraten von „Jamaica Inn“ sogar selbst schuld, war er doch einer der Produzenten. Er buchte den Regisseur erst, als das Drehbuch schon existierte und behinderte alle Reparaturen mit seinen klaren Vorstellungen. Hitchcock ordnete die Geschichte als Whodunit ein, überdies als ein besonders unlogisches Exemplar dieser von ihm verachteten Gattung. Außerdem war er im Geiste schon in Hollywood. Er entledigte sich seines Auftrags mit einer Langeweile, die dem Endergebnis jederzeit anzumerken ist. Hitchcocks Popularität als Großbritanniens wichtigster Regisseur ließ „Jamaica Inn“ zu einem soliden Erfolg an der Kinokasse werden, doch die Autorin Daphne Du Maurier war so entsetzt, dass sie sich (zum Glück ohne Erfolg) dagegen aussprach, Hitchcock möge ein weiteres ihrer Bücher verfilmen.

Trösten darf uns die Neuentdeckung Maureen O’Hara, die wie Hitchcock nach Hollywood ging und in eine fulminante Karriere startete.
Auch Charles Laughton siedelte (diesmal endgültig) dorthin um, und als er und Hitch acht Jahre später erneut zusammenarbeiteten, war der Meister wieder gerade auf dem Sprung – diesmal in die künstlerische Unabhängigkeit als sein eigener Produzent.
Wie gesagt: auch „The Paradine Case“ war ein Fehlschlag – trotz Laughtons diesmal fabelhafter Leistung. Ironischerweise hat der Film zu Hitchcocks Ruhm dennoch beigetragen. Seinetwegen wird ein anderer Gerichtsfilm mit Charles Laughton, der eingangs erwähnte „Witness For The Prosecution“ von Billy Wilder, immer wieder für einen Hitchcock-Film gehalten. Es gibt Schlimmeres.

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