Die wiedergefundene Textstelle: „Die Hände des Mr. Ottermole“ (i)

betr.: 75. Todestag von Thomas Burke

Vor gut hundert Jahren war Thomas Burke in seiner englischen Heimat einer der bekanntesten Unterhaltungsliteraten, sein Schwerpunkt: Horrorgeschichten. Mindestens eine davon hätte ich ohne dieses Hintergrundwissen glatt für große (oder doch zumindest etwas größere) Literatur gehalten: „The Hands Of (Mr.) Ottermole“ aus der Sammlung „The Pleasantries of Old Quong“ von 1931. Das tat auch eine Jury von Literaturkritikern und wählte sie 1949 zur besten Kriminalgeschichte aller Zeiten.

Die Hände im Titel sind die eines mysteriösen Würgers, der standesgemäß im Londoner Nebel mordet und dessen Name uns tatsächlich schon in der Überschrift verraten wird. Wir treffen ihn frühzeitig, erkennen ihn aber nicht, da er nicht mit seinem Familiennamen angesprochen wird.
Der faszinierendste Teil der Geschichte ist meines Erachtens die Begleitung des Mörders zu Beginn, in der wir seinen Modus Operandi kennenlernen. Er folgt seinem Opfer – das er persönlich kennt – auf dessen Heimweg durch das nächtliche London. Er lässt den Mann seine Wohnung betreten, läutet dann und schlägt blitzschnell zu, wenn ihm geöffnet wird. Öffnet es ihm nicht, hat das Opfer nochmal Glück gehabt.
Der Erzähler schildert diese Passage wie einen Gedankenmonolog Ottermoles und lockt uns so buchstäblich ins Herz der Finsternis. Das scheinbare Selbstgespräch beruht auf der Idee, das jener Mr. Whybrow, der vor uns hergeht, diesen Weg und all die Eindrücke, Anblicke und Geräusche nicht zu schätzen weiß, da er nicht ahnt, wie nah er dem Tode ist.

Der Text findet sich unter https://blog.montyarnold.de/2020/09/27/16731/

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