Seinfeld – Ein deutsches Missverständnis? (1)

betr.: 61. Geburtstag von Jason Alexander

Der Schauspieler Jason Alexander wird vor allem als einer der vier Hauptcharaktere der Serie „Seinfeld“ (1989-98) erinnert. Er spielte den kleinen, dicklichen Kahlkopf George, der nicht nur beziehungsunfähig, gefühlsarm und neurotisch war (wie die anderen drei) sondern außerdem ein Feigling und ständig auf Jobsuche.
„Seinfeld“ war ein schwer beschreiblicher Erfolg (siehe unten), der alle Beteiligten materiell sorgenfrei machte. Der letzte deutsche Wikipedia-Eintrag zu Jason Alexander ist acht Jahre alt und beschreibt, wie man ihn wegen einer Äußerung in einer Talkshow öffentlich angriff: er hatte Cricket als „Schwulensport“ bezeichnet und sich dafür später entschuldigen müssen. Toll, was Komiker in den USA, dem Mutterland der Comedy, so alles nicht sagen dürfen …


Seinfeld in Deutschland – Ein Missverständnis?

Die amerikanische Sitcom „Seinfeld“ (1990-98) war eine historische Sensation des linearen Fernsehens. Als sie auf unsere Bildschirme gelangte, hatte sie in ihrer Heimat längst alle möglichen Rekorde gebrochen und das Genre neu definiert. Der Sender NBC verdankte ihr zeitweise etwa 40% seiner Werbeeinnahmen. „Seinfeld“ war die bis dato teuerste TV-Serie überhaupt, was nicht am erzählerischen Aufwand sondern an den Mondpreisen lag, die die Stars verlangten und erhielten.  
In den Anfängen eröffnete der Selbstdarsteller Jerry Seinfeld jede Episode mit einem Stand-Up-Monolog vor Publikum, der das Thema vorbereitete. Was dann folgte, waren zutiefst alltägliche Geschichten um eine New Yorker Klicke aus drei Jungs einem Mädchen. Es ging in der Serie „um gar nichts“, wie Jerry Seinfeld immer wieder kokett betonte.

1995 prahlte Kabel1 damit, den Öffentlich-Rechtlichen diesen Hit vor der Nase weggeschnappt zu haben, wirtschaftete ihn 33 Folgen lang auf einen Marktanteil von 0,9% herunter und überließ ihn dann dem Schwestersender ProSieben. Mit den üblichen Methoden verhinderte man bei etwas besserer Quote auch dort den ganz großen Erfolg: Weglassen von Vor- und Abspann („Optimierung aus Zeitgründen“), auch wenn sie zur Handlung gehörten, Weglassen einzelner Episoden und Veränderung der Sendereihenfolge, wodurch der Verweis auf frühere Folgen ins Leere lief, unglückliche (vorabendliche bzw. tiefnächtliche) Sendeplätze …
Zuletzt sendete ZDFneo (die zeitweilig sehr fesche Seitenstraße des behäbigen Riesen-Muttersenders ZDF) die mittlerweile gut abgehangene Reihe  in mehreren Durchläufen in kompletter und chronologischer Form – wiederum für ein kleines, ergebenes Publikum.

Welch Rolle mag die deutsche Synchronisation bei dieser Resonanz gespielt haben?

Aus dem Essay „Humor Omnia Vincit“

Dieser Beitrag wurde unter Fernsehen, Kabarett und Comedy abgelegt und mit , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.