Runter damit!

betr.: 81. Geburtstag von John Cleese

Zu dem Füllhorn nützlicher Anweisungen zur Comedy, die John Cleese in seiner Biographie „So, Anyway …“ ausschüttet, gehören auch Schilderungen der Mühsal des Autorenberufs.
Einem Autor, der seinen Tag mit einem leeren Blatt Papier beginnt, kann es durchaus passieren, dass das Blatt vor ihm am Abend immer noch leer ist, während sich der Papierkorb zu seinen Füßen reichlich gefüllt hat. Es gibt wenige Berufe, in denen man es schafft, in acht Stunden harter Arbeit nichts zu produzieren; zumindest hat man nie von einer Buchhalterblockade oder einer Maurerblockade gehört. Wenn man so etwas einmal erlebt hat – in der Regel geschieht es, sobald man den ersten regelmäßigen Auftrag ergattern konnte – befällt einen eine Unsicherheit, eine neuartige Form der Angst.

Die gute Nachricht für die Fleißigen unter den Kreativen ist, dass sie sich im Laufe der Zeit auch wieder relativiert und sich ein gewisses Selbstvertrauen ein- oder wiederherstellt.
Wer Glück hat, kann von erfahreneren Kollegen lernen. Cleese bringt Peter Titherage besondere Bewunderung entgegen, einem ehemaligen Autor von Revuen für das Londoner West End. Der beruhigte den jungen Cleese mit dem Hinweis, dass man nur am Ball bleiben muss, dann würde schon etwas entstehen. Einem geheimnisvollen Prinzip folgend, zöge ein schlimmer Tag immer einen wenigstens annehmbaren nach sich. Er versöhnte ihn mit der Tatsache, dass man nur verdammt selten eine wirklich große Pointe findet, die den ganzen Sketch vom Ende her zusammenhält.
Er erläuterte, wie immens die Verbesserung ist, die man durch das Entfernen der „Schmiere“ erreicht, jener kleinen Wiederholungen und Redundanzen, die der Text eigentlich nicht braucht.
Als besonders kostbar blieb Cleese ein simples architektonisches Detail in Erinnerung: Damit der Schlüsselbegriff eines Satzes eine möglichst komische Wirkung erzielt, sollte er möglichst am Ende kommen. Jedes Wort, das ihm folgt, verzögert den Augenblick, in dem das Publikum loslachen darf und schwächt den Effekt.

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