Endlich auch mal gesehen: „Auf Liebe und Tod“

Es hat mich immer ein wenig betrübt, dass mir die Filme von Francois Truffaut so wenig Spaß machen, bin ich ihm doch unendlich dankbar für seine feuilletonistische PR-Arbeit für Alfred Hitchcock, von dem berühmten Interview mit ihm gar nicht zu reden.
Wie sehr ich noch immer an den Filmemacher Francois Truffaut glauben wollte, fiel mir auf, als „Auf Liebe und Tod“ kürzlich im Fernsehen wiederholt wurde. Eine gute Gelegenheit, einen Film endlich zu sehen, dessen Filmplakat ich schon immer sehr fetzig fand.

Zu Beginn sehe ich Jean-Louis Trintignant auf Entenjagd im Gebüsch sitzen. Noch ein weiterer Jäger lauert an anderer Stelle. Dann sehe ich, wie ein Mann zu diesem zweiten hinübergeht und ihm eiskalt und scheinbar unmotiviert ins Gesicht schießt. Er geht nach rechts ab, und in gleicher Marschrichtung tritt in der nächsten Einstellung Trintignant auf, setzt seinen Weg im gleichen gemächlichen Tempo fort, und ich halte ihn für den Mörder. (Ich hätte mich viel höllischer auf seine Kleidung konzentrieren müssen, umso mehr in einem Schwarzweißfilm.)
Was nun weiterhin geschieht, leuchtet mir alles nicht recht ein: das Verhältnis des Mannes zu seiner Frau, zu seiner Sekretärin (der Hauptdarstellerin Fanny Ardant), sein pampiges aber völlig kaltschnäuziges Verhalten, als ihn eine ominöse Anruferin zu erpressen versucht und ihn die Polizei verhört. Ich wundere mich, wie loyal und hilfsbereit Fanny Ardant (die ein richtig tolles Mädchen ist) sich verhält, obwohl der Kerl so hässlich zu ihr gewesen ist …
Der Film wird mir von Minute zu Minute absurder. Inzwischen ist auch Trintignants Gattin umgebracht worden, die mit dem toten Entenjäger wohl ein Verhältnis hatte.
Irgendwann ertrage ich diese Konfusion nicht länger, halte den Film an und tue, was ich in solchen Fälle nach Möglichkeit immer tue: ich suche in meinem Bücherregal Rat und Trost.
In „Monsieur Truffaut, wie haben Sie das gemacht?“ ist „Vivement Dimanche!“, der abschließende Film des Gesamtwerks, leider nicht mehr berücksichtigt. Immerhin gibt es im Anhang eine kleingedruckte Inhaltsangabe. Dieser entnehme ich, dass es gar nicht Trintignant war, der den Mord begangen hat. Das ist mir natürlich wahnsinnig peinlich, aber ich gebe dem Regisseur daran die Mitschuld. (Bei Hitchcock gibt es ja eine sehr berühmte Szene in einem Badezimmer, die absichtlich so funktioniert …) Ich versuche, das bisher Gesehene zu sortieren, um den Film zuendezusehen, doch mein Verhältnis zu ihm ist zerrüttet. Ich erblicke in ihm nun wenig mehr als einen Schmunzelkrimi, der die Balance zwischen Romantik, Witz und Spannung nicht wirklich zu halten versteht.

Da nützt mir auch ein Rat Truffauts nichts mehr, den ich zu „Vivement Dimanche!“ in einem anderen Buch gefunden habe: „Geschichten sind meistens unwahrscheinlich, aber das ist unwichtig, solange der Spaß überwiegt. Das Vergnügen sollte stärker sein als die Analyse!“
Sollte, sollte, Fahrradkette.
Was wird nun aus mir und Truffaut? Irgendwann werde ich mir „Der Wolfsjunge“ noch einmal auflegen, der mir wirklich zu Herzen geht. Vermutlich auch „Fahrenheit 451“ – gerade weil er so haarsträubend campy ist.

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