Wer spricht, der bleibt

betr.: Wiedersehen mit einem „kultigen“ Klassiker

Als Beispiel für eine gute Erzählerstimme empfehle ich gern einen inzwischen 50jährigen TV-Vierteiler: „Der Seewolf“. Reinhard Glemnitz, der den Widerpart der Titelfigur synchronisiert, begleitet die Handlung auch im Off.
Zuletzt bekam ich den Hinweis (mein Schüler ist etwa 20 Jahre jünger als der Film), das Werk sei mit heutigen Augen wirklich schwer anzusehen. Nicht nur das behäbige Tempo ginge so nicht mehr (ich finde, da darf man nicht so zimperlich sein), auch die Stilblüten der Umsetzung würden die Geschichte sabotieren – mit unfreiwilliger Komik. Das ist nicht von der Hand zu weisen. Der Hund, der in einer dramatischen Passage  einen Wolf spielen soll, wird vom Erzähler sogar damit entschuldigt, er sei so räudig und hinfällig, dass er eher an einen Hund erinnere (das beweist zumindest den guten Willen der Hersteller) …
Ähnlich heikel wirkt eine Szene, die sogar Fernsehgeschichte schrieb und den „Seewolf“ wie auch seinen Hauptdarsteller auf  Jahre ehrenvoll begleitete: das Zerquetschen einer rohen Kartoffel (der jedes Kind sofort ansieht, dass sie windelweichgekocht) ist mit einer Hand.

Auf solche Probleme war ich bei meiner Empfehlung grundsätzlich gefasst. Ich musste aber auch feststellen, dass der Erzähler aus dem Off nicht ganz so durchgehend am Werk ist wie ich es in Erinnerung hatte. Die Leistung von Reinhard Glemnitz ist nach wie vor tadellos!
Ich glaube, ich werde für den Einzelunterricht mal einen Zusammenschnitt anfertigen. Im vierten Teil erkundet der Held eine Insel und ist viel allein – allein mit uns natürlich.

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