Percy Faith – Der schimmernde Zweite

betr.: 45. Todestag von Percy Faith

Der Kanadier Percy Faith wollte eigentlich Pianist werden, bis ihn eine Brandverletzung seiner Hände dazu anhielt, sich aufs Komponieren und Dirigieren zu verlegen. In den USA, in die er 1940 hinüberwechselte, erwies sich das als glückliche Fügung. Ein Bonus dieses Glücksfalls ist, dass seine Platten – paarweise auf CD gepresst – noch immer gut erhältlich sind.

„The Oscar“ mit dem Gaststar Tony Bennett fängt den Zeitgeist der 60er Jahre ein, in denen Soundtrack-Alben sich als feste Programmfarbe auf dem Schallplattenmarkt etablierten. Auch Percy Faith folgt der erfolgreichen Konzeption von Henry Mancini, seine Partitur in 12 handliche Tracks für LP umzuarbeiten.

Der Name Percy Faith klingt heute weniger vertraut als die anderer Bandleader bzw. Orchesterleiter, die ihr Publikum mit den Ende des 20. Jahrhunderts recht populären instrumentalen Cover-Versionen großer Chart-und Kinohits erfreuten. Doch wer die betreffenden Scheiben noch mal auflegt, stellt fest, dass Faiths Arrangements zumeist wagemutiger und einfallsreicher waren als die von Frank Chacksfield, Mantovani oder Ray Conniff. Allenfalls Henry Mancini – der solche Tonträger ausspuckte wie eine Kette von Würstchen und der außerdem und zuallererst ein fleißiger Filmmusik-Komponist war – war ähnlich kreativ.
Hin und wieder verstand Faith einen Song besser als der Originalinterpret – mir unvergesslich: seine definitive Umsetzung von „Enter The Dragon“, einem Bruce-Lee-Titelthema von Lalo Schifrin. Oder er ließ ein Nebenwerk zum Showstopper aufblühen. Der Titelsong für das  Marlon-Brando-Vehikel „Sayonara“ war eine Komposition der Musical-Legende Irving Berlin, die dem Komponisten Franz Waxman aufgenötigt worden war, da man ihm nicht zutraute einen Film-„Hit“ für die Single-Charts zu komponieren (- eine Frechheit, denn Waxman hatte sein Talent als Songschreiber schon in seinem Berliner Vorleben unter Beweis gestellt). Faith fischte das „Katsumi Love Theme“ aus Waxmans sinfonischem Soundtrack und widmete ihm eine Neuinterpretation, die vielleicht sogar das Liebespaar auf der Leinwand in Stimmung gebracht hätte.

Percy Faith hat auch selbst Filmmusik geschrieben. Neben dem naturgemäß vielgespielten Vorspannmotiv für die Westernserie „Die Leute von der Shiloh Ranch“ waren das zumeist Incidentals für Musical-Songscores wie „Love Me Or Leave Me“. Als richtiggehender Soundtrack-Komponist konnte er sich bei „The Oscar“ präsentieren, wo er die klassischen Disziplinen – Song / dramatisches Underscoring / Easy Listening Source – souverän meisterte. Doch ganz offensichtlich gab er lieber fremden Ideen den entscheidenden Schliff. Seine Version von Max Steiners „Theme from A Summer Place“ wurde ganz unabhängig vom Film zu einem weltweiten Ohrwurm und allein in der Bundesrepublik für ein knappes Dutzend Rundfunk- und TV-Sendungen als Titelmusik ausgewählt.

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