Auf der Corona-Couch

betr.: Familiäres Medienverhalten im Lockdown (1)

Im Lockdown entdeckt die Familie das gemeinsame Fernsehen wieder. Eine Gänsehaut überzieht mich, wenn ich lese oder höre, wie erwachsene Menschen ihre Feierabende mit Schnullibulli-Kram zubringen müssen, weil „Einigung“ in solchen Fällen natürlich immer bedeutet, dass die Kleinsten das Letzte Wort haben. (Und wenn keine Kinder da sind, entscheidet der größte Spießer im Raum.) Vermutlich hätte jetzt sogar „Wetten dass ..?“ wieder dufte Quoten, wäre es nicht nach mehr als einem Vierteljahrhundert überhastet eingestellt worden.

Nicht falsch verstehen: die gemeinsamen Fernsehabende mit meiner Familie waren nicht weniger idyllisch als die anderer Familien in der Ära der „großen Samstagabendshow“. Aber wirklich warme Erinnerung befällt mich nur hinsichtlich eines einzigen, es war einer der letzten dieser Art. Das Fernsehen zeigte die Belmondo-Klamotte „Das Superhirn“, wie sich das gehört, zur „besten Sendezeit“ und noch ohne Dauerlogo und Werbeunterbrechungen. Der Film war auf so solide Weise blödsinnig, so konsequent burlesk, die Starbesetzung so international, unser humoristischer Common Sense so unschuldig, dass der Film uns alle ohne Abstriche begeisterte. … Was auch immer damals im anderen Programm gelaufen sein mag, kann keine Chance gehabt haben.

Erst gut dreißig Jahre später habe ich „Das Superhirn“ wieder mal im Programm entdeckt. Schon aus Gründen des Zeitkapsel-Selbstversuchs wollte ich ihn mir unbedingt ansehen (diesmal allein). Obwohl ich zu meiner Familie heute noch viel weniger passe als damals, saß ich wieder in der geselligen Runde von einst. Ein bemerkenswerter Film!

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