Bengel von Beruf

betr.: 27. Jahrestag der dänischen Premiere von „Papillon“

Ein Kinderstar zu sein, ist ein zweischneidiges Glück. Viele moderne Überlieferungen ranken sich um das zumeist Schlimme, das allzu frühem Ruhm gefolgt ist. Ganz selten – wie etwa im Falle von Liz Taylor – mag das Publikum den kleinen Liebling auch noch im Erwachsenenalter. Und nur hin und wieder nimmt die Öffentlichkeit Anteil an einem erfüllten Leben danach – wie bei Shirley Temple. Weitaus häufiger verkrachen solche Existenzen, und manchmal betrifft das sogar ihr Elternhaus.

Billy Mumy ist einer der wenigen, die über Jahrzehnte Entertainer geblieben sind. Seit seinem 5. Lebensjahr spielte er ein zahllosen TV-Produktionen, darunter in der klassischen „Twilight Zone“ und in einer der berühmtesten Folgen von „Alfred Hitchcock Presents“: er ist der Junge mit der vermeintlichen Spielzeugpistole in „Bang! You’re Dead“. Besondere Grazie entfaltet er in einer späteren Episode an der Seite des großen Claude Rains.
Charles William Mumy Jr. war ein guter Schauspieler und rein optisch ein Lausebengel wie aus dem Bilderbuch. Er sah aus wie Alfred E. Neumann aus den „MAD“-Heften – und das auch dann  noch, als ihm die Zahnlücke zugewachsen war. Später hatte er feste Rollen in Science-Fiction-Serien und arbeitete als Synchronsprecher im Trickfilm. Mit Bill Murray hat er in einer Band gespielt – das müsste lustig gewesen sein.

Zu Mumys Karriere passt auch sein Abgang von der Leinwand. Es ist nicht wirklich sein letzter Auftritt, doch die Szene lässt sich als Epilog seiner Kindheit vor der Kamera lesen – zumal es wirklich ein grandioser Film ist, in dem sie sich vollzieht.
Als zu Beginn von „Papillon“ die Sträflinge mit einer amtlichen Schmäh-Rede zur Teufelsinsel verabschiedet werden, lässt sich ein junger Mann lieber noch vor der Abreise auf der Flucht erschießen. Es ist Billy Mumy.

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