Sprechen am Mikrofon: Wer ist schuld?

Als ich im Kabarett meine ersten Gehversuche machte, meinte Bob Ziegenbalg zu mir: „Wenn der Abend schiefläuft, sind niemals die Zuschauer schuld!“ Hier sprach sicher auch das Schauspieler-Ethos aus ihm, das er sich ebenfalls erworben hatte. Ich respektierte diese Haltung als den guten Vorsatz, auf der Bühne jedesmal das Beste zu geben und sich nicht auf ein „schlechtes Publikum“ herauszureden. Ich bin aber im Laufe der Zeit zu dem Ergebnis gekommen, dass die Verhältnisse mitunter nicht so sind.
Es gibt Abende, da will einen der Saal einfach nicht verstehen. So wie man selbst manchmal schwerer arbeiten muss als gewöhnlich. Nicht zu reden von einem halbleeren Haus, das die Zusehenden verunsichert oder der Energie, die man umgekehrt von positiven Reaktionen bezieht.

Am Mikrofon, jedenfalls im Off, ist Bobs Aussage absolut richtig. Beim Synchron kann man mogeln bzw. sich von Cutter und Tonmeister helfen lassen. In einer fließenden Erzählung fällt sofort auf, wenn man nicht bei der Sache ist, spätestens im zweiten Satz. Wenn noch weitere folgen, verliert man unweigerlich die Aufmerksamkeit auch des geneigtesten Zuhörers. Ist man dann auf sich gestellt – also in einem akustischen Medium, in dem kein begleitendes Bild eine Stütze bietet -, stimmt es ohne Wenn und Aber: „Wenn es schiefläuft, sind niemals die Hörer schuld!“

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