Lang und in Wohlstand

betr.: 90. Geburtstag von William Shatner (heute) und Leonard Nimoy (in vier Tagen)

William Shatner hat es längst über das Stadium hinausgeschafft, in dem man noch Einzelheiten über ihn verbreiten müsste. Er ist trotz seines nunmehr biblischen Alters noch immer fleißig und präsent. Außerdem ist er eine Legende, bei der es niemanden stört, dass sie noch lebt (ganz im Gegenteil!), und das ist vielleicht die imposanteste seiner Leistungen.
Wer dennoch Näheres wissen möchte (und nicht nur plump zur Datenbank gehen will), kann zu einer ganzen Reihe von Büchern greifen. Das erste von Shatner selbst verfasste kam 1993 heraus, und „Star Trek Memories“ hatte tatsächlich ein paar neue (Selbst-)Erkenntnisse zu bieten. Als der Schauspieler seine alten Crew-Kollegen zwecks Recherche interviewen wollte, fiel er (pardon!) aus allen Wolken. „Ich muss während der ‚Enterprise‘-Jahre gegenüber meinen Kollegen ein fürchterlich arroganter, unerträglich bombastischer Egozentriker gewesen sein!“ fasste er die Reaktionen der meisten zusammen. Die „Uhura“-Darstellerin und kurzzeitige Geliebte Nichelle Nichols wie auch „Scotty“ James Doohan wollten keine artigen Stichworte abliefern. „Chekov“ Walter Koenig machte nach einem Vierteljahrhundert endlich seinem Ärger über die Allüren seines alten Befehlshabers Luft. Lediglich seine beiden ranghöchsten Mitspieler, Bordarzt DeForest Kelley und der außerirdische Erste Offizier Leonard Nimoy, konnten sich an heitere Geschehnisse erinnern. (Mit dem immens beliebten Nimoy verband ihn sogar eine gute Freundschaft.)

Zwischendurch war er sogar Admiral, aber er hat es geschafft, sich wieder degradieren zu lassen. Für William Shatner kann es keinen passenderen Rang als den des Captains geben – und keinen höheren! (Buchcover von 1997)

Inzwischen ist, ich erwähnte es eingangs, in Leben und Werk von William Shatner allerhand passiert, aber seine späteren Selbstbetrachtungen sind nicht sonderlich informativ. „Lebe lang …“ (2018) ist nur noch ein netter, austauschbarer Lebenskunst-Porno. Andererseits sind Captain Kirks Ausbrüche von Wahrhaftigkeit legendär: auf seinen ersten Conventions pflegte er die Trekkies mit dem Hinweis zu verstören, dass es ein wirkliches Leben gebe und dass das Raumschiff aus der Serie nur ein Modell gewesen sei. Beides tut der Freundschaft keinen Abbruch. William Shatner hat auch außerhalb seiner Glanzrolle viel erlebt und Fabelhaftes geleistet. Wer diese Dinge tatsächlich genauer wissen will, der sollte zu dem oben abgebildeten Taschenbuch greifen. Obwohl die unautorisierte Biographie des Journalisten und UFO-Spezialisten Dennis William Hauck gut 25 Jahre alt ist, würdigt sie nicht nur ihren Gegenstand in amüsanter und jederzeit fairer Weise, sie erzählt auch von einem halben Jahrhundert Medien- und TV-Geschichte. Und sie nimmt William Shatner viel ernster als er sich selbst – was uns und allen beiden zugute kommt.

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