The Bliss Of Mr. Ortolani

betr.: 95. Geburtstag von Riz Ortolani

Als man ihn noch erwähnte und einordnete, galt Riz Ortolani als der nach Ennio  Morricone produktivste Filmmusiker aus Italien. Doch im Gegensatz zu Morricone hatte er keinen Personalstil, an dem man ihn sogleich erkennen konnte – was ihn nicht besser oder schlechter macht, aber wirklicher Popularität außerhalb der Popmusik stets hinderlich ist. Das Titelmotiv der Skandal-Kuriosität „Mondo Cane“ (1962) war sein erster und blieb sein größter Erfolg: der Titel „More“ war ein Hit für eine Vielzahl großer Gesangsstars der 60er und 70er Jahre – aber eben nur für sie.

Ortolani hatte in Lugo und Bologna studiert und zunächst – wie so viele seiner Filmmusiker-Landsleute – Popmusik arrangiert. 1955 wurde er Orchesterleiter der Radiotelevisione Italia. Das hielt ihn nicht davon ab, schon im nächsten Jahr in den USA mit der Arbeit als Arrangeur zu beginnen. Von dort brachte er einen gediegenen Hollywood-Sound mit nach Hause. Zurück in Italien arbeitete er zunächst für die Bühne und fürs Fernsehen, dann machte er sich mit „Mondo Cane“ in der Filmbranche einen Namen.

Filmkomponisten werden inzwischen ausschließlich nach der Prominenz ihrer Regisseure bzw. dem Erfolg der betreffenden Filme beurteilt, und so gilt Ortolani, in dessen Filmographie sich viel folkloristische Billigware befindet, als unambitionierter Vielschreiber. Doch seine Musik ist von der Qualität des jeweiligen Projektes vollkommen unabhängig. Wer Filmmusik auch als reines Hörerlebnis schätzt, wird feststellen, dass Ortolani einer jener Alleskönner war, die im Studiosystem der USA so fleißig am Werk waren.
Im angelsächsischen Kino wurde Ortolani oft für romantische Komödien gebucht – „Hausfreunde sind auch Menschen“ („The Bliss Of Mrs. Blossom“, 1967) ist eine Gipfelleistung dieser Disziplin, die sogar Henry Mancini imponiert haben dürfte. Sein Walzerthema für den Gangsterfilm „Die Valachi Papiere“ (1972) erlebte ein paar eindrucksvolle Cover-Versionen.

Riz Ortolani war sich auch nicht zu schade, seinen Auftraggebern Kopierwünsche zu erfüllen. Als er 1963 für den Naherholungs-Western „Old Shatterhand“ verpflichtet wurde, entfernte er sich nicht allzusehr von dem Idiom, das Martin Böttcher ein Jahr zuvor für „Der Schatz im Silbersee“ geprägt hatte, und gab noch eine gehörige Portion „Die glorreichen Sieben“ dazu, den Riesenhit von Elmer Bernstein. Das ist ungemein amüsant und – wie ich mich beeile zu betonen – eine Ausnahme.

Riz Ortolani schrieb mit abnehmendem Output bis 2010 fürs Kino, hatte Anteil an dem TV-Straßenfeger „Allein gegen die Mafia“ (1984) und legte 2007 ein Musical vor.

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