Das behauptete Augenzwinkern

betr.: #allesdichtmachen – Nachbetrachtung

So viel Eintracht war lange nicht! Über die Aktion #allesdichtmachen sind sich ausnahmsweise alle einig. Die wenigen zustimmenden Reaktionen  wurden von den Initiatoren persönlich sogleich wegen Unappetitlichkeit zurückgewiesen, die Beiträge Hals über Kopf wieder einkassiert und die betreffende Seite schneller wieder offline genommen, als man hinklicken konnte.
Unter den vielen Beschimpfungen, die inzwischen auf die 53 Aktricen und Akteure niedergegangen waren, die sich in „satirischen“ Solo-Clips gegen die deutsche Coronapolitik aufgelehnt hatten, waren manche absurd („Nie wieder engagieren!“), einige aber gar nicht mal so unsachlich.
Eine Kritik habe ich vermisst.

Viele der Beteiligten – immerhin Angehörige einer Zunft, die das Komödiantentum mit einschließt – offenbarten ein erschütternd beschränktes Verständnis von Ironie. Für sie scheint dieser Begriff zu bedeuten, man müsse einfach das Gegenteil von dem sagen, was man eigentlich meint (davon ausgehend, dass alle wüssten, was man tatsächlich denkt) und schon würde so etwas wie Komik entstehen (in Gestalt eines ausgelösten Lachreizes). Leider janjoseflieferten die Darsteller ihr Material exakt mit den gleichen Posen, Nuancen und Mienen ab, mit denen sie es sonst darauf anlegen, in dramatischen Rollen beim Wort genommen zu werden. Die Unbescheidenheit, mit der sich hier dutzendfach einfach selbst ein komisches Talent attestiert wurde, hat mich als ehemaligen berufsmäßigen Komiker (und jemanden, der Komödiantentum als Konsument nach wie vor zu schätzen weiß) weder überzeugt noch amüsiert.

Dieser Beitrag wurde unter Gesellschaft, Internet, Medienphilosophie abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.