Medienlexikon – Film und Fernsehen (Fa-Fou)

Fortsetzung vom 13. Mai 2021

„Familienbande“
ist der am häufigsten vergebene Episodentitel bei jeder Serie, die lange genug läuft (noch vor älteren Beispielen wie „Fauler Zauber“ und „Auf den Hund gekommen“). Auch im Kino fand er Verwendung, doch dort ist man mit Titelwiederholungen etwas zurückhaltender. Er spielt mit dem doppelten Wortsinn für „Bande“ („heilige Verbindung“ in der Gesellschaft / „unheilige Vereinigung“ am Rande derselben) und ist ein Ausdruck der grassierenden und sich ausweitenden Marotte unserer Medienlandschaft, ständig von Familie zu reden, diese „Keimzelle der Gesellschaft“ ironiefrei zu glorifizieren und das langfristige Alleinleben als Makel zu kennzeichnen – unabhängig vom Sujet des Films und ungeachtet eines vorhandenen oder nicht vorhandenen Zusammenhangs. Die USA heben es uns vorgemacht. (In Talkshows, Klatschmagazinen und Reportagen geschieht das auch, nur ohne die Titelzeile.)

Fantasy

Zunächst literarische, seit der Jahrtausendwende zunehmend filmische, inzwischen multimediale Strömung, die das Fabrizieren vorgeblicher Vielfalt und Märchenhaftigkeit („Unendlichkeit“ ist eine häufig behauptete Vokabel) nach Schema F und ohne die geringste kreative Eigenleistung ermöglicht. Im Kino der ->CGI-Epoche hat sich das Prinzip vollendet: die Fans dürfen sich ins „Reich der Phantasie“ (daher der Name) versetzt fühlen, ohne die eigene jemals bemühen zu müssen.
Näheres dazu unter https://blog.montyarnold.de/2020/08/15/16494/ und https://blog.montyarnold.de/2020/11/11/unbegrenzte-moeglichkeiten/

Found Footage
(= gefundenes Filmmaterial) bezeichnet künstlich hergestelltes Filmmaterial, das sich dokumentarisch gibt (angeblich echte private Videos oder versehentlich entstandene Aufnahmen) und in einem Horrorfilm aufgeht. In der Handlung des Films sind diese verwackelten Schnipsel das, was von ihren Herstellern zurückgeblieben ist, nachdem sie ihr eigenes grauenvolles Ende per Camcorder oder Smartphone mitgeschnitten haben. Die Unschärfen und Auslassungen, die diese Filmclips zwangläufig aufweisen, haben dem Horrorgenre nach Jahrzehnten immer explizit-ekligerer Abbildungen eine alte Tugend zurückgebracht: dass das Publikum  sich das Allerschlimmste selbst vorstellen und manchmal sogar ein offenes Ende ertragen muss.
Die preiswerte Herstellung solcher Filme ist verlockend, doch das Konzept hat seine Limitierungen und lässt sich nur maßvoll ausbeuten. Schon der Durchbruch mit „Blair Witch Project“ (1999) – die Vermarktung des Films spielte zunächst allen Ernstes mit der Unterstellung, die abgebildeten Jugendlichen wären bei der Entstehung der Videos umgekommen – funktioniert nicht mehr, wenn man erst die Pointe kennt. „The Visit“ (2015) beweist, dass es möglich ist, es noch immer wirkungsvoll zu bedienen.

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