Medienlexikon – Film und Fernsehen (Ne-Nor)

Fortsetzung vom 26. Mai 2021

Neo Noir
Die dunklen US-Krimis der 40er und 50er Jahre mit ihrer fatalistischen (explizit kitschfreien) Weltsicht haben alle nachfolgenden Filmemachergenerationen inspiriert. Den Begriff „Film Noir“ prägten die französischen Filmkritiker, er wurde aber auch in den USA – wo man ihn gar nicht aussprechen kann – zum festen Terminus. Spätere Thriller, die um diese Atmosphäre bemüht waren (die besten: „Chinatown“, 1974, und „L A. Confidental“, 1997) werden Neo Noir genannt. Diese Abgrenzung ist nicht nur historisch anständig, die würdigt auch die Unwiederholbarkeit der charakteristischen Licht-und-Schatten-Kontraste des Schwarzweißfilms, die der Kameramann John Alton (1901-96) einst zum optischen Erkennungszeichen des Film Noir gemacht hatte.

Nerd
= ein besessener Fan von bildungsbürgerlich besonders verdächtigen Spielarten der Popkultur: Science-Fiction, Fantasy, Superheldencomics.
Ursprünglich ein Schimpfwort (Nerds sind qua Klischee bleich, mager, picklig, sozial  inkompetent und ernähren sich nur von Lieferpizza), hat der Begriff inzwischen eine wertfreie, mitunter sogar positive Konnotation (man ruft den Computer-Nerd, wenn man am neuen Windows-Betriebssystem verzweifelt). Und auch kommerziell wurde dieser Menschenschlag interessant. Da Nerds im Netz überrepräsentiert sind, wirbt die Filmindustrie inzwischen um ihre Gunst. Spätestens mit dem Erfolg des „Marvel Cinematic Universe“ ist das Nerdtum im Mainstream angekommen. Wer ein „Geek“ ist, hat als (technischer) Nerd Karriere gemacht und sogar eine Freundin.

Der urzeitliche Nerd als gesellschaftlicher Problemfall: frühe Erwähnung des Begriffs in einem Comic von Robert Crumb (Zweitausendeins Verlag 1986).

Nordic Noir
ist ein vom britischen Kritiker Barry Forshaw eingeführter Begriff, um die düstere Atmosphäre der nordeuropäischen Krimis zu charakterisieren. Im Zentrum steht die realistische Schilderung von Verbrechen in einer Welt ohne Mitleid mit Ermittlern, die mit sich und dieser Welt hadern. Durch „Kommissarin Lund“ (2007-12) und „Der Adler“ (2004-06) wurde die dänische TV-Serie zu einem Gütesiegel.

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