Medienlexikon – Film und Fernsehen (Po-Re)

Fortsetzung vom 29. Mai 2021

Poetischer Realismus

= eine Epoche vornehmlich des französischen Films der 30er und 40er Jahre (in der Literatur hat der Ausdruck eine eigene Bedeutung). Die Weltwirtschaftskrise regte einige junge, aber bereits eingeführte Regisseure wie Marcel Carné, Julien Duvivier und Jean Renoir zu mehr Realitätsnähe und Sozialkritik an. Volkstümliche Helden ringen mit der düsteren Alltagswelt und der Vergeblichkeit ihrer romantischen Ambitionen. Wichtig für diese Entwicklung war die Mitwirkung der Drehbuchautoren Jacques Prévert und Charles Spaak, des Kameramannes Eugen Schüfftan (Vater des nach ihm benannten Trickverfahrens) und des Kulissenbauers Alexandre Trauner, der später in Hollywood mit Billy Wilder arbeitete. Der junge Jean Gabin legte 1938 mit den Klassikern des Genres „Hafen im Nebel“ und „Die Bestie Mensch“ den Grundstein für seine lange internationale Karriere.

Remake
Ein Phänomen, das mächtig Konjunktur hat, seit Hollywood einerseits die Ideen ausgehen und man dort dem Publikum andererseits immer weniger zutraut, sich auf etwas Neues einlassen zu wollen. (Die alternativen Antworten auf diese Misere lauten Sequel, Prequel und Franchise). Die Bezeichnung „Remake“ bedeutet in der Tat lediglich, dass es vom selben Stoff schon zuvor eine filmische Umsetzung gegeben hat. Der Regisseur der neuen Fassung muss die alte nicht gekannt haben, sich (falls doch) nicht zu ihr bekennen oder auf sie beziehen. Aber er darf. Fast immer sind Remakes unnötig, oftmals ärgerlich („Psycho“, 1960/98), aber es gibt ruhmreiche Ausnahmen, die ihr Original weit übertreffen („Ocean’s Eleven“, 1960/2001). Wenn es möglich ist, reden sich die Regisseure gern auf den Begriff „Literaturverfilmung“ heraus, um die mitunter tollkühne Nachfolge eines großen Vorläufers zu kaschieren. Doch welche Stoffe eignen sich überhaupt? Manche schreien förmlich nach einer Verfilmung, werden seit einem knappen Jahrhundert wieder und wieder umgesetzt, und es geht jedesmal schief (wie bei der Erzählung „The Island Of Dr. Moreau“ 1932, 1977 und 1996). Andere gelingen sogar mehrmals („Invasion Of The Body Snatchers“, zuerst 1956 und 1978). Großmeister wie Ernst Lubitsch, Alfred Hitchcock und Michael Haneke haben einzelne ihrer eigenen Arbeiten neu verfilmt.

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