Der Song des Tages: „Ein Wagen von der Linie 8“

betr.: 72. Todestag / 138. Geburtstag (am 28. Juni) vom Weiß Ferdl alias Ferdinand Weisheitinger.

Nachdem der Komiker und Volkssänger Weiß Ferdl schon im Ersten Weltkrieg als Truppenbetreuer tätig gewesen war, amüsierte er  bald darauf auf NSDAP-Vereinsabenden. Wegen seines „politischen Witzes“ galt er vielen Zeitgenossen dennoch als Nazigegner. Im Laufe des Krieges stänkerte er tatsächlich immer öfter gegen die Machthaber. Hin und wieder wurden ihm aber auch Flüsterwitze zugeschrieben, gegen die er sich mit dem „Bonmot“ gewehrt haben soll: „Was die Leute sagen, ich hätt‘ es gesagt, hab‘ ich nie gesagt!“ Diesen Satz konnte er nach dem Krieg, als es den Besatzern darum zu tun war, die Deutschen zu entnazifizieren, gleich auf ihn selbst anwenden. Doch es half nichts. Der Weiß Ferdl wurde von der Spruchkammer als Mitläufer eingestuft, und sein protziges Automobil wurde konfisziert.* Auf seine alten Tage musste der berühmte Künstler nun das Straßenbahnfahren lernen. Man muss ihm zugute halten, dass er das Beste aus dieser Zumutung gemacht hat. 1949 entstand, kurz vor seinem Tode, seine berühmteste Nummer „Ein Wagen von der Linie 8“.

Dieses von der Zither begleitete Spottlied auf den unheilbar muffigen Münchner (intern zum „Grantler“ verklärt und noch im Jenseits mies gelaunt, wie wir aus Ludwig Thomas „Münchner im Himmel“ wissen) wird immer wieder von kabarettistischen Sketchen unterbrochen, die kaum weniger musikalisch sind als der Refrain. Überflüssig zu sagen, dass jedem Nutzer irgendeines ÖPNV irgendwo in Deutschland diese Szenen bekannt vorkommen werden und dass man nach einer Weile unweigerlich mitsummt – jedenfalls in den Momenten, da man sich nicht vor Lachen hinlegt.
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* Schwerer noch wiegt die Strafe, dass seine Existenz in unseren Kabarettlexika eisern geleugnet wird (jedenfalls in allen, die ich besitze).

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