Medienlexikon – Film und Fernsehen (Stu-Tor)

Fortsetzung vom 16. Juni 2021

Stubenkrimi
Wer das nostalgische Wort „Fernsehkrimi“ hört, wird dabei – je nach persönlicher Sehgewohnheit – entweder an amerikanische Krimiserien denken, in denen viel geschossen und Auto gefahren wird („Einsatz in Manhattan“ 1974-91, „Die Straßen von San Franzisko“ 1974-79) oder an deutsche. Der Fernsehkrimi mag uns heute zum Hals heraushängen, aber seine Anfänge sind noch immer sehenswert. Sieht man einmal vom dokumentarisch konzipierten „Stahlnetz“ der frühen 60er Jahre ab, ist „Der Kommissar“ (ZDF 1969-76) die archetypische deutsche Krimiserie. Erik Ode war der erste Serienkommissar (in Schwarzweiß, obwohl das Farbfernsehen längst eingeführt war), und die ARD war auf seinen Erfolg so neidisch, dass sie schon 1970 den „Tatort“ startete, um von diesem Kuchen abzubeißen. Wir wissen, wie es weiterging: Ode musste irgendwann in Pension, der „Tatort“ konnte weiterlaufen.
„Der Kommissar“ war ein Experimentierfeld der Filmerzählung. „In die Wohnzimmerstille, in der eine Topfpflanze namens ‚Fernsehkrimi‘ leise ihre Blätter fallen lässt“ drängten plötzlich – wie Stefan Ertl es ausdrückte – „die verstörenden Klänge eines lebendigen Urwalds“. Es ist zu recht viel darüber geklagt worden, wie schmachvoll der Deutsche Film der Nachkriegszeit dahergekommen ist – zuerst mit seichten Verdrängungsschnulzen, dann mit der hochmögenden, schwer zugänglichen Pampe des „Autorenfilms“. Dass im frühen Fernsehspiel – und ganz besonders im „Kommissar“ – solch eine Verwegenheit der Schauspielerführung und Kamera möglich war, war kein Zufall. Reife Meister wie Helmut Käutner und Wolfgang Staudte, die sich einigermaßen anständig durchs Dritte Reich gearbeitet hatten, genossen im beginnenden Fernsehen eine Art geschützten Arbeitsbereich. Der Tscheche Zbynek Brynich führte die Reihe der jüngeren Regisseure an, die das Thema der schuldhaften Verstrickung so erlebbar machten wie zuvor nur der klassische Film Noir.

Suspense
wird oft unrichtig mit „Spannung“ übersetzt, meint aber nur jene Spielart, in der der Zuschauer mehr weiß als der Held. Man bangt im Kinosessel um den Protagonisten, dem eine Falle gestellt wurde, kann ihm aber nicht helfen. Alfred Hitchcock (1899-1980) hat den Begriff etabliert, ihn besonders prägend umgesetzt und sein Gegenteil, den ->Whodunit, stets als verächtlich abgetan. Nichtsdestotrotz war sein größter Hit „Psycho“ ein Whodunit (der mit Suspense-Elementen in Form absehbaren Unheils angereichert war).

Torture Porn
= ein durch kommerziell erfolgreiche Filme wie „Saw“ (2004) und „Hostel“ (2005) salonfähig gewordenes Genre des Schmuddelkinos, das sadistische Folterszenen in den Mittelpunkt stellt.

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