Die schönsten Hörspiele, die ich kenne (18): „Der Kauf“

19. „Der Kauf“ – Hörspiel von Paul Plamper, Produktion: WDR/BR/Deutschlandfunk/Schauspiel Köln 2013, 69 min. – Credits und Details: https://www.srf.ch/audio/hoerspiel/der-kauf-von-paul-plamper?id=10282642

„Wie wär’s, wenn wir einen Teil von dem ganzen Geld spenden? Dann kann man konsequent sagen, wir nehmen das Geld, und zwar das ganze Paket! … ‘n gutes Projekt. Afrika oder so … Afrika ist gut … Afrika find‘ ich richtig gut! Oder Umwelt. Umwelt geht auch …“

Ein altlinkes Paar hat sich einst in einem alternativen Wohnprojekt eine Wohnung eingerichtet, die im Lauf der Jahre zu einer Luxusimmobilie in bester Lage herangereift ist. Die beiden spielen mit dem Gedanken, ihr Heim – ihrer ausgestellt antikapitalistischen Gesinnung zum Trotz – zu verkaufen und mit dem Erlös ein paar alte Träume zu verwirklichen, solange es noch geht (eine Weltreise oder so …). Ein hippes Ehepaar macht ihnen ein überraschend großzügiges Angebot, und alle sind platt vor Freude. Doch als der Wohnungsverkauf seinen Lauf nimmt, beginnen sich die alten Besitzer des Ausverkaufs ihrer alten Ideale zu schämen. Sie nehmen fürchterliche Rache an den Käufern …

Dass sich zwei bourgeoise Ehepaare beharken und man nach kurzer Zeit alle vier Beteiligten abscheulich findet (einer präzise so neurotisch und verkommen wie der andere), ist das große Erfolgskonzept von Yasmina Reza und ihren Epigonen in der französischen Boulevardkomödie. Paul Plamper macht es sich mit dieser Konstellation nicht ganz so leicht – zu unserem Vergnügen. Die Figuren sind differenziert, die Dialoge und das Spiel der Darsteller so überzeugend, dass man das Gefühl hat, eine Indiskretion zu begehen. Neben dieser Qualität ist es die betörende Wirkung der Kunstkopf-Stereophonie – eine akustische 3-D-Technik der 70er Jahre, die sich heute kein Regisseur mehr antun möchte –, die dieses Hörspiel zu einem so bestrickenden Erlebnis macht. Weder im Film noch in einer Serie noch im Theater hat mich der Maelstrom der Ereignisse in Jahren so erbarmungslos verschlungen.

„Der Kauf“ – das nur nebenbei – wird rückwärts erzählt, ein Effekt, an den wir uns inzwischen schon beinahe gewöhnt haben. An den prominenten Stimmen von Peter Kurth und Milan Peschel merkt man, dass man hier tatsächlich Schauspielern zuhört und nicht etwa dem wirklichen Leben. 

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