Ein Wiedersehen mit den „Unbestechlichen“ („All The President’s Men“)

Gestern sah ich mal wieder „All The President’s Men“, in dem Robert Redford und Dustin Hoffman die beiden Enthüllungsjournalisten der „Washington Post“ spielen, die den Watergate-Skandal ans Licht bringen. Der Film ist selbst für die Verhältnisse der mittleren 70er Jahre sehr langsam erzählt und irritiert unsere Sehgewohnheiten weiterhin dadurch, dass er genau die Dinge abbildet, die sonst nur im funktionellen Teil des Dialogs geschildert werden. – Statt Sätzen wie „Ich habe gerade mit ihr telefoniert, und sie hat sich eine Viertelstunde lang widersprochen …“ erleben wir das Telefonat tatsächlich in all seinen quälenden Einzelheiten, und seine Länge wird durchgehalten oder zumindest fühlbar gemacht. Andererseits gibt es so gut wie keine Action, stattdessen viel Recherche und Büroarbeit. Solche Zumutungen bereitet uns der Film mit Absicht (und Erfolg). Er beschreibt die ermüdenden Seiten einer großen Operation. Der Triumph der Helden wird nur in Form von Telex-Meldungen gewürdigt.  
Aber dann gibt es diese rasanten, ungeschnittenen Kamerafahrten quer durch den berühmten Newsroom, die deshalb so ungeheuer wohltuend sind (für mich heute! Das damalige Publikum kann sie noch nicht so empfunden haben …), weil sie wirklich gleichzeitig anwesende Darsteller in einer physischen Dekoration zeigen, in der sich tatsächlich bewegt wird. In aktuellen Filmen – unabhängig von Genre und Ursprungsland – ärgert und ermüdet mich diese permanente Ortlosigkeit, die ständige Gewissheit, mit den Schauspielern vor einer Greenscreen herumzustehen. (Offensichtlich ist es auch von Schauspiel-Giganten wie Anthony Hopkins, Judi Dench oder Ian McKellen zuviel verlangt, den später konzipierten Raum mitzuspielen.)
„Die Unbestechlichen“ hat gut funktioniert, auch für meine jüngeren Mitzuseher.

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