Im Prokrustesbett des linearen Fernsehens

Heute abend wird im NDR-Fernsehen zum ersten mal seit 33 Jahren ein wirklich wundervoller „Tatort“-Oldie ausgestrahlt: „Das stille Geschäft“ mit Horst Bollmann als MAD-Major Delius und Günther Ungeheuer als Bösewicht. Die Vorfreude ist nicht ungetrübt: kürzlich musste ich zu meinem großen Grusel feststellen, dass der Sender dazu übergegangen ist, auch seine alten Fernsehspiele anzusägen, um sie dem Breitbild-Fernsehen anzupassen – bisher war diese barbarische Flegelei nur bei Shows, Spielfilmen und Dokumentationen üblich.

Der NDR-Krimiklassiker „Kurzschluss“ in der ARD am 7.12.1975 …
… und im Dritten des NDR am 24.4.2021. Rechts und links sind aber noch zwei schamvolle Pillarbox-Balkenreste übrig. Da wird bis zur nächsten Wiederholung wohl noch mal der Hobel angesetzt …

Fast noch spanender als der eigentliche Krimi – „Das stille Geschäft“ ist ein feines psychologisches Kammerspiel, wie es der Titel vermuten lässt – ist für mich nun die Frage: wird heute nacht wieder geschnippelt, oder dürfen wir den Film komplett sehen? Ich werde einschalten!
Eines mag uns trösten: es hat historische TV-Ereignisse gegeben, die der NDR gleich komplett gelöscht hat. Da muss man für alles dankbar sein, was immerhin teilweise stehenbleibt.

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