Gesundheit! (1)

betr.: Verletzungen auf der Bühne

Es mag ab und zu Bühnenunfälle geben, aber zumindest tun sie erstmal nicht weh. Auf den mystischen Brettern hat man etwas von dem, was wir im aktuellen Sprachgebrauch zu den Superkräften rechnen würden: man ist schmerzunempfindlich(er), einige laufende Erkrankungen pausieren, und sogar zu Verjüngungseffekten ist es schon gekommen.
Ich kann Ihnen versichern: bis zum Schlussapplaus funktioniert es! (Gottlob nicht länger, sonst würde der allgemeine Drang ins Scheinwerferlicht noch heftigere Ausmaße annehmen.) In meiner aktiven Zeit als Kabarettist war ich überdurchschnittlich viel erkältet – an mindestens vier von zwölf Monaten (ein inzwischen abgeschütteltes Ergebnis meiner Erziehung). Trotzdem habe ich in 16 Jahren nur einmal einen Auftritt auf aus gesundheitlichen Gründen abgesagt (und da ging es nicht um eine Erkältung). Sobald sich der Vorhang hob, traten die Symptome zurück, die verstopfte Nase öffnete sich, und bis kurz nach der letzten Zugabe war ich beschwerdefrei.
Ich arbeitete zwar mit der Stimme, doch dachte ich immer, als Opernsänger hätte ich mir diese Chuzpe vielleicht nicht gestattet und mich häufiger krank bzw. „indisponiert“ gemeldet.

Die große Sängerin Christa Ludwig behauptete, auf der Bühne könne man sich eigentlich überhaupt nicht verletzen: „Man kann vom Stuhl fallen, ohne sich den Arm zu brechen. Sogar unsportliche Sänger stürzen sich auf der Bühne mit Freuden die Treppen herab, denn sie wissen, dass das folgenlos bleibt.“ Ganz so bombensicher ist die Sache wohl doch nicht. Der Sopranistin Aušrinė Stundytė wurde einmal während einer Aufführung in Paris durch einen herabfallenden Gegenstand ein Zeh abgerissen. Die Wunde habe zwar bis Vorstellungsende nicht einmal geblutet, berichtet sie, doch ab ist ab.

Außerdem wird mir die Schilderung eines Bekannten unvergessen bleiben: eine Kollegin spielte in ihrem Soloprogramm die Karikatur der großen Marika Rökk. Im Laufe des Abends rammte sie sich ein Messer in den Oberschenkel. Das Messer war echt und wurde durch eine unsichtbare Panzerung daran gehindert, Schaden anzurichten. Eines Abends verrutschte die Vorrichtung, die Klinge fand ihren Weg. Die taffe ungarische Tänzerin setzte ihren Monolog ungerührt fort, während die Wunde ihrer Darstellerin fürchterlich zu bluten begann. Doch das merkte sie nicht. Im Saal glaubte man an einen besonders drastischen Spezialeffekt – bis die Künstlerin auf einmal ohnmächtig zusammenbrach.
Das Messer wurde auch bei späteren Aufführungen wieder in die Hand genommen, doch es kam nicht mehr in der gleichen Weise zum Einsatz. 

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