So ungeliebt und wie unentbehrlich – Der Beruf des Medienautors (2)

Fortsetzung vom 19. September 2021

Auch Schauspieler leisten sich allzuoft diesen Dünkel und reden ganz offen darüber.
Bryan Cranston hat niemals vollständig begriffen, wie entscheidend  die Qualität der Bücher für den Erfolg von „Breaking Bad“ und somit für seine eigene Alterskarriere gewesen ist. Man rufe sich in Erinnerung, dass es eine Unmenge professionell gefertigter und gut geschauspielerter (beleuchteter, ausgestatteter …) Produktionen gibt, aber nur wenige, die den Nimbus von „Breaking Bad“ erreichen – logisch, es gibt ja auch nur selten so gute Drehbücher.

Bei der Lektüre seiner Autobiographie* (die inhaltlich interessant, aber nicht eben geistreich ist), beeilt sich Cranston, seine Kollegen vor der Kamera zu loben und betont auch immer wieder die Wichtigkeit der Regisseure und des technischen und organisatorischen Stabs. Über die Autoren spricht er mit notdürftigem Respekt und über weite Strecken mit einem Unterton natürlicher Feindschaft. Bei Änderungswünschen ringt er mit den Schwierigkeiten, die in der Natur der Sache liegen – zumindest, wenn man die amerikanischen Dimensionen zugrundelegt: „Die Autoren treffen Entscheidungen über unsere Positionen in einer theoretischen Welt achthundert Meilen entfernt in Kalifornien. Und die Schauspieler und Regisseure in Albuquerque müssen sie beim Wort nehmen, ihre Dialoge und Beschreibungen, und die Szene einrichten.“
Als Autor ist man – frei nach Joseph L. Mankiewicz – für eine Produktion so unentbehrlich wie die Ameisen bei einem Picknick. Oder mit Cranstons Worten: „Meinem Eindruck nach saßen die Autoren auch einem grundsätzlichen Missverständnis über unsere jeweiligen Rollen auf. Aufgabe des Schauspielers ist es, das Skript zu interpretieren. (…) Wir holen die Theorie in die Praxis. Das ist der Job eines Schauspielers. Wir bringen eure Worte in die dritte Dimension.“
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* „Hauptsache die Chemie stimmt“, S. Fischer Verlag GmbH 2017

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