So ungeliebt und wie unentbehrlich – Der Beruf des Medienautors (4)

Fortsetzung vom 29. September 2021

Selbst ein Nischenmedium wie der Comic bot einem Millionenpublikum Gelegenheit, die Wichtigkeit einer guten Vorlage (eines Szenarios, was gewissermaßen die Bildregie mit einschließt) zu bemerken. Bereits 1977 starb René Goscinny, der Autor von „Asterix“. Daraufhin erledigte sein Zeichner Albert Uderzo dessen Job mehr 40 Jahre lang mit. Der damit einhergehende beträchtliche und immer tiefer klaffende Qualitätseinbruch der „Asterix“-Alben wird vielfach übersehen bzw. entschuldigt, aber niemals ernsthaft bestritten. Ironischerweise verbindet sich mit ebenjenem Goscinny auch die erste Anerkennung, die den Autoren im frankobelgischen Comic zuteilwurde.
Entgegen der Ansicht des großen amerikanischen Kollegen Will Eisner (eines Solisten), ist es nämlich keineswegs anrüchig oder der Qualität abträglich, wenn sich ein Team zur Schaffung eines Comics zusammentut.

In der Nr. 73 der Zeitschrift „Reddition“ erfährt man, wie es nach dem Krieg in der belgischen Comic-Branche zuging. Der berühmte „Spirou“-Verleger Charles Dupuis hielt Story und Dialoge für einen automatischen Bestandteil der Arbeit des Zeichners und sah sie als unwichtig an. Er verhandelte nur mit dem Zeichner, den er als alleinigen Urheber betrachtete. Die Textautoren wurden „sozusagen auf dem Flur bezahlt, denn oft genug erhielten sie ihr Geld direkt vom Zeichner, der es seinerseits von seinem Honorar abzuzweigen hatte.“  Goscinny – lange vor seinem Erfolg mit „Asterix“ – wurde bei seinen ersten Arbeiten für „Lucky Luke“ nicht als Autor genannt, Yvan Delporte nicht bei den „Schlümpfen“, Jacques van Melkebeke nicht im Verein mit Hergé und EP Jacobs.
Erst als Goscinny und sein Kollege Jean-Michel Charlier Anfang der 60er Jahre in Frankreich selbst zu Verlegern wurden, bekamen die Autoren zuverlässig ihre Credits.* Bald darauf dämmerte auch den Verlegern der alten Schule, dass nicht die Qualität der Zeichnungen allein über den Erfolg einer Serie entscheidet, aber da hatten sie einige ihrer besten Kräfte bereits vergrault. Eine Nachwuchspflege hatte zu keiner Zeit stattgefunden.
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* In den USA, wo Stan Lee nach der innovativen Marvel-Methode für die Inhalte der Geschichten zuständig war, fühlten sich wiederum die Zeichner übervorteilt – obwohl sie stets groß und prominent genannt wurden. Mehr zu dieser Problematik unter https://blog.montyarnold.de/2018/11/12/11775/ (letzter Absatz) und in der Serie „Die Marvels wie sie wirklich waren“ in diesem Blog.

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