So ungeliebt und wie unentbehrlich – Der Beruf des Medienautors (5)

betr.: 65. Geburtstag von Christoph Waltz

Fortsetzung vom 2. Oktober 2021

Hin und wieder wird positiv über die Bedeutung des Gebrauchs-Autors und seiner Arbeit gesprochen. Es kommt zumeist aus berufenem Munde.
Ernst Lubitsch (1892-1947) – ursprünglich Schauspieler und später als Regisseur auch sein eigener Drehbuch-Mitautor – lässt in seinem Film „Sein oder Nichtsein“ (1942) eine Warschauer Schauspielertruppe die deutschen Besatzer austricksen. Der Film ist eine große Liebeserklärung an diesen Beruf, der mit so vielen Schrullen und Eitelkeiten behaftet ist, doch die Künstler müssen sich nun auch noch als Widerstandskämpfer bewähren.  
In einer Szene hängt ihr Leben davon ab, dass einer aus ihrer Mitte überzeugend einen Nazi verkörpert – Uniform und Gestapo-Hauptquartier-Deko sind zum Glück vorhanden, da gerade das Zeitstück „Gestapo“ geprobt wurde. Der eitle Schauspieler Tura tritt als Gestapochef einem Verräter gegenüber und kann bei dieser wichtigen Unterhaltung leider nicht auf ein Textbuch zurückgreifen. Als er beim Improvisieren versagt, wird er durchschaut, und die Mission droht zu scheitern.

Ein Filmstar unserer Tage hat es so ausgedrückt: „Die Rolle muss gut sein, und dann muss der Schauspieler richtig sein. Ich kann nur gut sein, wenn es gut geschrieben ist. Ich lehne es ab zu glauben, ich sei besser als der Autor. Wenn ich (ein Projekt) zusage, ist es das, was man von mir verlangt. (…) Ich lege wert darauf zu sagen, dass ich sogar auf Satzzeichen achte. Ich improvisiere nicht. Überhaupt nicht! Ich bin furchtbar im Improvisieren. Und ich hasse es. Ich weiß nicht, welches zuerst kommt.“*
Das ist die Überzeugung von Christoph Waltz.
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* Mehr zu diesem Thema unter https://blog.montyarnold.de/2015/06/15/im-funkloch-der-goettlichen-eingebung/

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